Aktuelle Disney-News, spannenden Einblicke und viele Informationen! Über diesen Link gelangst du auf unsere neue 20px-Facebook-Logo 200px.pngacebook-Seite!

Alfred Hitchcock

Aus Duckipedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Alfred Hitchcock

Sir Alfred Joseph Hitchcock KBE (* 13. August 1899 in Leytonstone, England; † 29. April 1980 in Los Angeles) war ein britischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Filmeditor. Er siedelte 1939 in die USA über und nahm am 20. April 1955 zusätzlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Bekannt wurde er durch Filme wie Rebecca (1940), Berüchtigt (1946), Cocktail für eine Leiche (1948), Der Fremde im Zug (1951), Bei Anruf Mord (1954), Das Fenster zum Hof (1954), Vertigo (1958), Der unsichtbare Dritte (1959), Psycho (1960) und Die Vögel (1963).

Hitchcock gilt hinsichtlich seines Stils bis heute als einer der einflussreichsten Filmregisseure. Er etablierte die Begriffe Suspense und MacGuffin. Sein Genre war der Thriller, dessen Spannung er mit Humor verband. Die wiederkehrenden Motive seiner Filme waren Angst, Schuld und Identitätsverlust. Mehrfach variierte er das Thema des unschuldig Verfolgten.

Leben[Bearbeiten]

Alfred Hitchcock war der jüngste Sohn des Gemüsehändlers William Hitchcock (1862–1914) und dessen Ehefrau Emma Jane Whelan (1863–1942). Durch den Altersunterschied von sieben beziehungsweise neun Jahren zu seinen Geschwistern, durch seine römisch-katholische Erziehung in einem von der anglikanischen Kirche geprägten Land und nicht zuletzt durch sein Äußeres – er war klein und schon als Kind korpulent – hatte er eine einsame Kindheit. Zwischen 1910 und 1913 war er Schüler des St.-Ignatius-College, einer Londoner Jesuitenschule. Er verließ das College mit knapp 14 Jahren und besuchte stattdessen Abendkurse auf der Londoner Universität, diverse Handwerkskurse und später wenige Monate lang die School of Engineering and Navigation. Zudem belegte er Kurse in technischem Zeichnen sowie in Kunstgeschichte[4] an der Londoner Kunstakademie. Seine Freizeit verbrachte er großteils mit dem Lesen von Fahrplänen und dem Studium von Stadtplänen und Landkarten. Mit fortschreitendem Alter flüchtete er sich in Romane, besuchte Theatervorstellungen und ging oft ins Kino. Außerdem verfolgte er Mordprozesse im Gerichtshof Old Bailey und besuchte gerne das Black Museum von Scotland Yard. Der Tod des Vaters Ende 1914, zu dem er kein enges Verhältnis hatte, band Hitchcock noch enger an seine Mutter.

1915 nahm er eine Stelle als technischer Angestellter bei der W.T. Henley Telegraph Company an, die elektrische Leitungen herstellte. Wegen seines zeichnerischen Talents wurde er bald in die Werbeabteilung versetzt. Unter seinem bis zuletzt gebrauchten Spitznamen „Hitch“ veröffentlichte er in der Betriebszeitschrift seine ersten gruseligen Kurzgeschichten.

Im Dezember 1926 heirateten Alfred Hitchcock und Alma Reville, die für die Hochzeit zum katholischen Glauben konvertierte. 1928 wurde ihre gemeinsame Tochter Patricia geboren.

Karriere[Bearbeiten]

Anstellung beim Film[Bearbeiten]

Erste Anfänge[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1920 hörte Hitchcock von der Neugründung eines Studios der amerikanischen Produktionsgesellschaft Paramount Famous Players-Lasky im Londoner Stadtbezirk Islington. Er bewarb sich mit einer Mappe mit Illustrationen und wurde als Zeichner von Zwischentiteln angestellt. In den Jahren 1921 und 1922 zeichnete er die Titel für mindestens zwölf Filme. Nebenbei entwarf er Kostüme, Dekorationen und Szenenbilder. Auch durch Überarbeitungen von Drehbüchern machte er auf sich aufmerksam. Bei zwei Filmen arbeitete er mit George Fitzmaurice zusammen, dessen genaue Produktionsplanung ihn sehr beeinflusste.

1922 bekam Hitchcock Gelegenheit, sich als Regisseur zu versuchen. Mit dem Autor Seymour Hicks stellte er die letzten Filmszenen von Always Tell Your Wife fertig, nachdem der ursprüngliche Regisseur gefeuert worden war. Bald darauf konnte er einen eigenen Film drehen, Number 13 (auch bekannt unter Mrs. Peabody), der jedoch unvollendet blieb, da Famous Players-Lasky im Laufe der Dreharbeiten das Studio wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen musste. Das leerstehende Gelände wurde an unabhängige Produzenten vermietet, darunter auch an Michael Balcon, der das Studio 1924 schließlich erwarb. Er stellte Hitchcock als Regieassistent ein, sowie (auf dessen Empfehlung) die Filmeditorin Alma Reville. Die beiden kannten sich seit 1921, seitdem sie gelegentlich an denselben Filmen gearbeitet hatten. Bis 1925 entstanden fünf Filme, bei denen Hitchcock dem Regisseur Graham Cutts assistierte und zu Cutts’ wachsendem Unmut mehr und mehr künstlerischen Einfluss gewann. Neben dem Drehbuch kümmerte er sich auch um die Bauten, das Szenenbild, die Besetzung, die Kostüme sowie die Ausstattung und nahm so mit der Zeit die Aufgaben eines Produktionsleiters wahr.

Arbeit in Deutschland[Bearbeiten]

Hitchcocks letzte Zusammenarbeit mit Graham Cutts führte ihn 1924 nach Deutschland. Der unter der Beteiligung der deutschen UFA produzierte Film Die Prinzessin und der Geiger entstand in den Babelsberger Filmstudios, die damals die modernsten der Welt waren.

1925 übertrug Michael Balcon ihm die Regie für den Film Irrgarten der Leidenschaft (1925), für den kostspielige Stars aus Hollywood verpflichtet wurden. Da nur die Münchner Lichtspielkunst (heute: Bavaria Film) bereit war, den Film zu produzieren, reiste er erneut nach Deutschland. Balcon war mit Hitchcocks ambitionierter Arbeit zufrieden und vertraute ihm eine weitere deutsch-britische Koproduktion an: Der Bergadler (1926) wurde noch im selben Jahr, diesmal in Tirol, gedreht.

Später gab Hitchcock oftmals an, die wichtigsten Filmpraktiken in Deutschland gelernt zu haben. Durch diesen und weitere Besuche konnte Hitchcock fließend Deutsch sprechen; später sprach er zum Beispiel einige Trailer seiner Filme selbst.

Karriere in England[Bearbeiten]

Leben und Arbeit in England[Bearbeiten]

Mit dem 1926 in London gedrehten Thriller Der Mieter um einen einzelgängerischen Pensionsgast, der verdächtigt wird, ein Serienmörder zu sein, hatte Hitchcock sein Thema gefunden. Er selbst bezeichnete ihn später als "ersten echten Hitchcockfilm". Die beiden folgenden Filme Abwärts (1927) und Leichtlebig (1928) waren kommerzielle Misserfolge. Zu dem 1927 veröffentlichten Boxerdrama Der Weltmeister äußerte sich die Presse dagegen äußerst positiv.

Mit Mord – Sir John greift ein! (1930) fand er wieder zu seinem Thema und auch nach Deutschland zurück: In Berlin stellte er die deutsche Sprachversion des Films unter dem Titel Mary (1931) her. Den ihm aufgezwungenen Thriller Nummer siebzehn (1932) beschloss Hitchcock aus Protest zu sabotieren und zu einer wirren, albernen Parodie zu machen. Die turbulente Verbindung zwischen Humor und Spannung lässt Nummer siebzehn aus heutiger Sicht als einen Vorläufer späterer Klassiker des Genres erscheinen.

Englische Meisterwerke[Bearbeiten]

Er nahm die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Michael Balcon wieder auf. Als erster Film für die Gaumont British entstand der Thriller Der Mann, der zuviel wußte (1934). Das Drehbuch erarbeitete Hitchcock im Wesentlichen mit seiner Frau Alma und dem Drehbuchautor Charles Bennett. Der Film wurde sowohl von der Kritik als auch vom Publikum enthusiastisch aufgenommen. Der humorvolle Spionagethriller Die 39 Stufen (1935) gilt als Blaupause späterer Verfolgungsthriller. Eine turbulente Szene folgt auf die nächste, es gibt keine Übergänge und kaum Zeit für den Zuschauer, über die manches Mal fehlende Logik nachzudenken. Hitchcock ordnete nach eigenem Bekunden alles dem Tempo unter. Der überragende Erfolg des Films sollte ihm recht geben. Es folgten Geheimagent (1936) und Sabotage (1936), die insbesondere in Hitchcocks eigener späterer Bewertung gegenüber den beiden Vorgängerfilmen abfielen. Doch die psychologisch vielschichtige Behandlung des Themas „Schuld“ weist bereits auf spätere Werke hin.

Nach Sabotage endete abrupt die zweite erfolgreiche Phase der Zusammenarbeit mit Michael Balcon, als die Produktionsfirma Gaumont British von deren Besitzern geschlossen und Balcon entlassen wurde. Die beiden folgenden Filme drehte Hitchcock daher wieder für die Gainsborough Pictures – diesmal allerdings ohne seinen ehemaligen Förderer. Jung und unschuldig (1937) war eine weitere, unbeschwerte Variation der Geschichte vom unschuldig Verfolgten. Der gefeierte Thriller Eine Dame verschwindet (1938) spielt überwiegend in einem fahrenden Zug.

Hitchcock festigte mit diesen sechs Filmen seine Ausnahmestellung innerhalb des britischen Kinos. Ende der 1930er Jahre beauftragte er die Selznick-Joyce-Agentur, deren Mitinhaber Myron Selznick, der ältere Bruder des Hollywood-Moguls David O. Selznick, war, seine Interessen wahrzunehmen. Hitchcock, dessen Ruf mittlerweile bis nach Hollywood gelangt war, unterzeichnete schließlich 1938 einen Vertrag für die Produktionsgesellschaft von David O. Selznick, der damals gerade mit der Vorproduktion zu Vom Winde verweht beschäftigt war. In Gedanken bereits in Hollywood, drehte Hitchcock in England noch einen letzten Film für die Produktionsfirma des nach England emigrierten deutschen Produzenten Erich Pommer. Doch der Kostümfilm Riff-Piraten wurde von der Presse durchweg verrissen.

Hollywood und der Zweite Weltkrieg[Bearbeiten]

In seinen ersten Jahren in Hollywood stieß Hitchcock auf unerwartete Schwierigkeiten. David O. Selznick übte starke Kontrolle über die Filme seines Studios aus und achtete darauf, dass sich der freiheitsliebende Hitchcock möglichst eng an die literarische Vorlage seines ersten Hollywoodfilmes hielt. Trotz dieser Spannungen wurde Rebecca für den britischen Regisseur ein erfolgreicher Einstand in Hollywood: Das psychologisch dichte und düster-romantische Melodram war 1940 elfmal für den Oscar nominiert und gewann schließlich zwei der Trophäen (Kamera und Produktion).

In den nächsten Jahren machte Selznick sein Geld mit Hitchcock, indem er ihn für beträchtliche Summen an andere Studios auslieh. Der Krieg in Europa weitete sich aus, als der unabhängige Produzent Walter Wanger Hitchcock für ein aktuelles Kriegsdrama engagierte. Der Auslandskorrespondent blieb Hitchcocks Naturell entsprechend jedoch ein weitgehend unpolitischer Spionagethriller. Nur der nachgedrehte Schlussmonolog, gerichtet an die noch neutralen USA, wirkte aufrüttelnd.

Mit Verdacht (1941), der ersten Zusammenarbeit mit Cary Grant, und Saboteure (1942) blieb Hitchcock bei seinen klassischen Themen. Zwischen diesen beiden Produktionen drehte er seine einzige Screwball-Komödie. Obwohl damals durchaus positiv aufgenommen, zeigte er sich mit Mr. und Mrs. Smith (1941) nicht zufrieden. Weit mehr am Herzen lag ihm die Arbeit an dem Drama Im Schatten des Zweifels (1943). Hitchcocks Filme gelten allgemein als stark von seinem Charakter geprägt. Dieses Familienmelodram wird als einer seiner persönlichsten Filme bezeichnet: In allen Hauptfiguren spiegeln sich demnach Eigenschaften und Ängste Hitchcocks. Als während der Dreharbeiten Hitchcocks Mutter in London starb, verstärkte dies die autobiografischen Tendenzen.

Wie viele britische Regisseure leistete Hitchcock seine Beiträge für die Kriegspropaganda und drehte unter anderem Kurzfilme zur Unterstützung der französischen Résistance. Auch in seine nächste Hollywood-Produktion arbeitete er stark propagandistische Töne ein, doch sein stets bewusst irritierender Umgang mit Klischees sorgte diesmal für Kontroversen: In einem kleinen Rettungsboot sehen sich englische und amerikanische Schiffbrüchige einem intellektuell überlegenen Nazi gegenüber. Dennoch wurde der formalistisch strenge Psychothriller Das Rettungsboot (1943) dreimal für den Oscar nominiert (Drehbuch, Kamera und Regie).

Psychologie, wichtige Komponente seines Werks, stand im Mittelpunkt von Ich kämpfe um dich (1945), der nach langer Zeit wieder für Selznick entstand. Dieser war vom Thema Psychoanalyse schnell begeistert und ließ Hitchcock ungewohnt viel freie Hand, doch kürzte er den Film nach der ersten Probevorführung um rund zwanzig Minuten. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle wurde in der folgenden Produktion Berüchtigt (1946) fortgesetzt, die Selznick allerdings wieder an RKO verkaufte.

Mit dem Gerichtsdrama Der Fall Paradin (1947) lief der Vertrag Hitchcocks mit Selznick aus. Selznick behielt, bei der Stoffauswahl angefangen, bei dieser relativ chaotisch verlaufenden Produktion die Oberhand. Dass Hitchcock währenddessen Vorbereitungen für seine eigene Produktionsfirma traf, verstärkte die Spannungen zwischen den machtbewussten Männern. Dennoch bot Selznick Hitchcock – erfolglos – eine Vertragsverlängerung an.

Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Bereits im April 1946 gründete Hitchcock mit dem befreundeten Kinokettenbesitzer Sidney Bernstein die Produktionsfirma Transatlantic Pictures, für die er seinen ersten Farbfilm inszenierte, Cocktail für eine Leiche (1948) mit James Stewart in einer der Hauptrollen. Der Film blieb jedoch vor allem wegen eines anderen Hitchcock-Experiments in Erinnerung; jede Einstellung des kammerspielartigen Films dauert so lange, wie es das Filmmaterial in der Kamera erlaubte, also rund zehn Minuten. Durch geschickte Übergänge sollte so der Eindruck entstehen, dass die Geschichte in einer einzigen, durchgehenden Einstellung in Echtzeit gefilmt wurde.

Sklavin des Herzens (1949), ein für Hitchcock untypischer, melodramatischer Historienfilm, war vor allem ein Vehikel für Ingrid Bergman. Trotz der Starbesetzung und der technischen Raffinessen wurde er kommerziell ein Misserfolg. Transatlantic ging daraufhin in Konkurs.

Warner Brothers[Bearbeiten]

Hitchcock schloss mit Warner Bros. einen lukrativen Vertrag über vier Filme ab, bei denen er als Regisseur und Produzent, angefangen bei der Stoffauswahl, völlig freie Hand hatte. Der erste dieser Filme war der Film-Noir Die rote Lola (1950) mit Marlene Dietrich, der im Londoner Theatermilieu spielt. Der Film war nicht sonderlich erfolgreich.

Der Fremde im Zug (1951), brachte schließlich nach fünf Jahren Flaute wieder einen überragenden Erfolg. Mit diesem Film begann die dreizehnjährige Zusammenarbeit mit dem Kameramann Robert Burks. Es folgte mit Ich beichte (1953) der eindeutigste filmische Bezug auf Hitchcocks starke katholische Prägung. Obwohl von der Kritik geschätzt, floppte der Film an den Kinokassen.

Als Anfang der 1950er Jahre das Fernsehen Einzug in die Wohnzimmer hielt, versuchte die Kinoindustrie, mit neuen technischen Verfahren wie dem Breitbildformat Cinemascope oder dem 3D-Verfahren den Zuschauerschwund aufzuhalten. So drängte Warner Bros. Hitchcock, seinen nächsten Film in 3D zu drehen. Über diese Entscheidung, die zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Kamera führte, war Hitchcock nicht glücklich. Bei Anruf Mord (1954) ist die Verfilmung eines damals sehr populären Theaterstücks von Frederick Knott, der auch das Drehbuch schrieb. Mit Hauptdarstellerin Grace Kelly drehte Hitchcock im Anschluss noch zwei weitere Filme, bevor sie sich aus dem Filmgeschäft zurückzog.

Paramount[Bearbeiten]

Die Erfahrung mit dem aufgezwungenen 3D-Verfahren zeigte Hitchcock die Grenzen bei Warner Brothers. Er schloss daher 1953 einen Vertrag mit Paramount ab, der ihm völlige künstlerische Freiheit garantierte. 1954 begann die für Hitchcock erfolgreichste Zeit mit Das Fenster zum Hof. Neben Grace Kelly ist ein weiteres Mal James Stewart zu sehen. Die Hauptfigur sitzt während des gesamten Films im Rollstuhl und beobachtet durch ein Teleobjektiv das Geschehen in den gegenüberliegenden Wohnungen. Der Film wurde ein finanzieller Erfolg und spielte in den Vereinigten Staaten 26 Millionen US-Dollar ein.

Über den Dächern von Nizza (1955) ist ein leichter, romantischer Thriller, in dem neben Grace Kelly – nach zwei Jahren Filmpause – wieder Cary Grant spielte. Wohl um dem Glamour dieses an der Côte d’Azur angesiedelten Films etwas entgegenzusetzen, drehte Hitchcock noch im selben Jahr die kostengünstig produzierte schwarze Komödie Immer Ärger mit Harry, in der Shirley MacLaine neben John Forsythe ihren ersten Filmauftritt hatte. Edmund Gwenn, der bereits in früheren Hitchcock-Filmen mitgewirkt hatte, spielte fast achtzigjährig eine seiner wenigen Hauptrollen. Obwohl Hitchcock in vielen seiner Filme schwarzen Humor untergebracht hat, ist es eine der wenigen echten Komödien von ihm.

1955 nahm Hitchcock – rund fünf Jahre nach seiner Frau – die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Im selben Jahr begann er mit Doris Day und James Stewart die Dreharbeiten zu Der Mann, der zuviel wußte (1956), dem einzigen Remake eines seiner Filme in seiner Karriere. Ebenfalls 1955 startete die wöchentliche Fernsehserie Alfred Hitchcock Presents (ab 1962 The Alfred Hitchcock Hour). Hitchcock war Produzent, trat in vielen Folgen als Moderator auf und inszenierte insgesamt 18 Folgen. Auch für die Fernsehserien Suspicion und Startime übernahm er für je eine Folge die Regie. Nach zehn Jahren beendete er seine Fernseharbeit, an der er zunehmend das Interesse verloren hatte. Hinzu kam, dass die Produktion den Auftraggebern zu teuer wurde und die Zeit von Serien mit jeweils abgeschlossenen Folgen, sogenannten „Anthologies“, zu Ende ging.

Nach Auslaufen seines Vertrags versprach er, da er mit den Arbeitsbedingungen sehr zufrieden war, für Warner Bros. einen weiteren Film ganz ohne Gage zu inszenieren. Mit Der falsche Mann (1956) löste er dieses Versprechen ein und wird einem seiner Grundprinzipien, der strikten Trennung von Leben und Fiktion, untreu. In dem Film-Noir mit Henry Fonda und Vera Miles wird an authentischen Schauplätzen die auf Tatsachen beruhende Geschichte eines zu unrecht Verurteilten erzählt. Kommerziell gesehen war der Film nicht sonderlich erfolgreich.

Höhepunkt und Wende[Bearbeiten]

Sein letzter Film für Paramount war der Psychothriller Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958). Das Drehbuch entstand in gemeinsamer intensiver Arbeit von Hitchcock und Samuel A. Taylor. In wenige seiner Filmfiguren projizierte Hitchcock wohl so viel von seiner eigenen Persönlichkeit wie in den von James Stewart verkörperten Scottie Ferguson, der versucht, eine Frau nach seinen Vorstellungen umzuformen. Zu seiner Entstehungszeit nicht besonders erfolgreich, zählt der Film inzwischen zu den bedeutendsten Werken Hitchcocks.

Hitchcock und sein Drehbuchautor Ernest Lehman konzipierten Der unsichtbare Dritte (1959) als eine Abfolge von Abenteuern, in denen ein Unschuldiger, gespielt von Cary Grant in seinem letzten Hitchcock-Film, um seine Reputation und sein Leben kämpft. Die elegante Leichtigkeit der Erzählung beeinflusste viele nachfolgende Abenteuer- und Agentenfilme, was sich in den James-Bond-Filmen der darauf folgenden Jahre zeigt. Für Hitchcock selbst blieb es für lange Zeit der letzte vorwiegend heitere Film.

Mit seiner bewusst kostengünstigen Produktion Psycho (1960) folgte Hitchcocks wohl bekanntester Film: Die in einer Woche Dreharbeit entstandene „Duschszene“ zählt heute zu seinen meistanalysierten Filmszenen. Ungewöhnlich war auch der Tod einer Hauptfigur nach nur einem Drittel des Films. Die zeitgenössischen Kritiken fielen unerwartet barsch aus, doch das Publikum machte Psycho zu Hitchcocks größtem kommerziellen Erfolg.

Der Horrorfilm Die Vögel (1963) wirkt nicht zuletzt durch seine Dramaturgie und die eingesetzte Tricktechnik stilbildend. Der deutsche Komponist Oskar Sala setzte statt Filmmusik elektronisch erzeugte Geräusche ein. Seine Hauptdarstellerin Tippi Hedren hatte Hitchcock im Werbefernsehen entdeckt. Obwohl sie keine Filmerfahrung besaß, nahm er sie für die nächsten sieben Jahre unter Vertrag. Der Film entstand für Universal, für die Hitchcock von nun an alle seine Filme drehen sollte.

Nach Die Vögel gibt es in Hitchcocks Werk einen Bruch. Die folgenden drei Filme der 1960er Jahre blieben kommerziell hinter den vorangegangenen Erfolgen zurück. Marnie (1964) fiel bei der professionellen Filmkritik durch. Bemängelt wurde, dass das Psychogramm einer verstörten, traumatisierten Frau sich psychologischer Erklärungsmodelle bediene, die überholt und undifferenziert wirkten, und der Film enthalte, untypisch für Hitchcock, viele handwerkliche Fehler. Die Qualität und der Rang des Films in Hitchcocks Werk wurde erst im Nachhinein nach François Truffauts ausführlicher Analyse des Films erkannt. Dieser erste kommerzielle Misserfolg seit rund fünfzehn Jahren war in mehrfacher Hinsicht ein Wendepunkt in Hitchcocks Karriere. Tippi Hedren war die letzte typische „Hitchcock-Blondine“, Marnie der letzte Film, den Hitchcocks langjähriger Kameramann Robert Burks dreht. Kurz nach Abschluss der Dreharbeiten verstarb zudem Hitchcocks Filmeditor George Tomasini, mit dem er zehn Jahre lang zusammengearbeitet hatte und für Bernard Herrmann, der seit 1955 Hitchcocks bevorzugter Filmkomponist war, war Marnie die letzte Zusammenarbeit mit Hitchcock.

Das Spätwerk[Bearbeiten]

Filmproduktionen wurden immer aufwendiger, der Erfolg an der Kinokasse immer wichtiger. Diverse Projekte, die Hitchcock reizten und die er mehr oder weniger intensiv plante, kamen so aus Angst der Produzenten nicht zustande – etwa Mary Rose, die geplante Verfilmung eines skurrilen Theaterstücks. Mit R.R.R.R., einem Drehbuch mit zahlreichen Verwicklungen über eine italienische Ganoven-Familie in New York, wollte er Jahre nach Der unsichtbare Dritte wieder einen komischen Thriller drehen. Das weit fortgeschrittene Projekt scheiterte schließlich an unüberbrückbaren sprachlichen und kulturellen Problemen mit den italienischen Mitarbeitern.

Am 7. März 1965 erhielt Hitchcock für seinen „historischen Beitrag zum amerikanischen Kino“ den Milestone Award der Producers Guild Of America – die erste von vielen Ehrungen für sein Lebenswerk.

Mit Der zerrissene Vorhang (1966) kehrte Hitchcock schließlich zum Spionagefilm zurück, mit dem er bereits in den 1930er Jahren in England große Erfolge gefeiert hatte. Die Premiere dieses 50. Hitchcock-Filmes sollte von einer groß angelegten Marketingkampagne begleitet werden. Nicht nur aus diesem Grund setzte Universal die aktuellen Stars Paul Newman und Julie Andrews gegen Hitchcocks Widerstand als Hauptdarsteller durch. Überdies kam es zum Bruch mit dem Komponisten Bernard Herrmann, als dieser nicht die von Universal gewünschte, auch für den Schallplattenverkauf geeignete Unterhaltungsmusik vorlegte. Auch an anderen wichtigen Positionen seines Stabes musste Hitchcock auf vertraute Mitarbeiter verzichten. Der zerrissene Vorhang fällt handwerklich und dramaturgisch gegenüber Hitchcocks letzten Filmen deutlich ab und wurde von der Kritik durchweg verrissen.

Nun forderte Universal von Hitchcock zeitgemäßere Themen ein. Als das von ihm und Howard Fast detailliert ausgearbeitete Drehbuch über einen homosexuellen Frauenmörder abgelehnt wurde, zog er sich für ein Jahr ins Privatleben zurück. Anfang 1968 entschloss er sich unter dem Druck der langen Pause seit dem letzten Film und der noch längeren Zeitspanne seit dem letzten Erfolg, den Spionageroman Topas von Leon Uris zu verfilmen, dessen Rechte Universal kurz zuvor erworben hatte. Topas wurde dann fast ausschließlich mit europäischen Schauspielern besetzt und völlig ohne Hollywood-Stars. In Europa waren die Französinnen Dany Robin und Claude Jade wie ihre Landsmänner Michel Piccoli und Philippe Noiret und die deutsche Aktrice Karin Dor Stars; die für amerikanische Zuschauer bekanntesten Gesichter waren der Fernsehschauspieler John Forsythe und der aus Kanada stammende John Vernon. Das endgültige Drehbuch wurde erst während der laufenden Dreharbeiten geschrieben, der Schluss nach einer katastrophalen Preview improvisiert. Der Film fand weder beim Publikum noch bei der Kritik Anklang.

Im Spätsommer 1970 nahm Hitchcock sein nächstes Projekt in Angriff und reiste dafür wieder in seine Heimat, wo er diesmal begeistert empfangen wurde. Frenzy (1972) spielt in London, dem Hitchcock eine liebevolle Hommage erweist, und ist in seinen Worten „die Geschichte eines Mannes, der impotent ist, und sich deshalb durch Mord ausdrückt“. Das Endprodukt war ein brutaler, zum Teil bitterer, von schwarzem britischen Humor durchzogener Film, der ein großer Erfolg wurde.

Mit Familiengrab (1976) kehrte Hitchcock zum scheinbar heiteren, diesmal jedoch morbid akzentuierten Unterhaltungsthriller zurück. Wie stets legte er Wert auf eine ausgeklügelte Bildsprache, die erneut mit Hilfe von Storyboards erarbeitet wurde. Hitchcock war offen für Improvisationen seiner Schauspieler und nahm noch während der Dreharbeiten Änderungen am Ablauf vor. Bei der Premiere im Frühjahr 1976 wurde der Film überwiegend freundlich aufgenommen.

Sein nächstes Projekt, die Verfilmung des Romans The Short Night, nahm Hitchcock Anfang 1978 in Angriff. Aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustands wurde die Produktion etwa ein Jahr später von Universal gestoppt. Im März 1979 wurde er vom American Film Institute für sein Lebenswerk geehrt. Zwei Monate später schloss er sein Büro auf dem Gelände der Universal-Studios. Am 3. Januar 1980 wurde Hitchcock in den britischen Adelsstand erhoben.

Am Morgen des 29. April 1980 starb Alfred Hitchcock in seinem Haus in Los Angeles an Nierenversagen. Seine Leiche wurde eingeäschert, die Asche an einem unbekannten Ort verstreut.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1922: Number 13 (unvollendet, verschollen)
  • 1925: Irrgarten der Leidenschaft
  • 1926: Der Bergadler (verschollen)
  • 1927: Der Mieter (The Lodger: A Story of the London Fog)
  • 1927: Der Weltmeister (The Ring)
  • 1927: Abwärts (Downhill)
  • 1928: Die Frau des Farmers (The Farmer's Wife)
  • 1928: Leichtlebig (Easy Virtue)
  • 1928: Champagner (Champagne)
  • 1929: Der Mann von der Insel Man (The Manxman)
  • 1929: Erpressung (Blackmail)
  • 1930: Juno and the Paycock
  • 1930: Elstree Calling (Hitchcock ist einer von insgesamt vier Regisseuren)
  • 1930: Mord – Sir John greift ein! (Murder!)
  • 1931: Mary (deutsche Version von Mord – Sir John greift ein! / Murder!, am selben Set gleichzeitig mit deutschen Schauspielern gedreht)
  • 1931: Bis aufs Messer (The Skin Game)
  • 1931: Endlich sind wir reich (Rich and Strange)
  • 1932: Nummer siebzehn (Number Seventeen)
  • 1934: Waltzes from Vienna
  • 1934: Der Mann, der zuviel wußte (The Man Who Knew Too Much)
  • 1935: Die 39 Stufen (The 39 Steps)
  • 1936: Geheimagent (Secret Agent)
  • 1936: Sabotage (Sabotage)
  • 1937: Jung und unschuldig (Young and Innocent)
  • 1938: Eine Dame verschwindet (The Lady Vanishes)
  • 1939: Riff-Piraten (Jamaica Inn)
  • 1940: Rebecca (Rebecca)
  • 1940: Der Auslandskorrespondent (Foreign Correspondent)
  • 1941: Mr. und Mrs. Smith (Mr. & Mrs. Smith)
  • 1941: Verdacht (Suspicion)
  • 1942: Saboteure (Saboteur)
  • 1943: Im Schatten des Zweifels (Shadow of a Doubt)
  • 1944: Das Rettungsboot (Lifeboat)
  • 1945: Ich kämpfe um dich (Spellbound)
  • 1946: Berüchtigt (Notorious)
  • 1947: Der Fall Paradin (The Paradine Case)
  • 1948: Cocktail für eine Leiche (Rope)
  • 1949: Sklavin des Herzens (Under Capricorn)
  • 1950: Die rote Lola (Stage Fright)
  • 1951: Der Fremde im Zug (Strangers on a Train)
  • 1953: Ich beichte (I Confess)
  • 1954: Bei Anruf Mord (Dial M for Murder)
  • 1954: Das Fenster zum Hof (Rear Window)
  • 1955: Über den Dächern von Nizza (To Catch a Thief)
  • 1955: Immer Ärger mit Harry (The Trouble with Harry)
  • 1956: Der Mann, der zuviel wußte (The Man Who Knew Too Much)
  • 1956: Der falsche Mann (The Wrong Man)
  • 1958: Vertigo – Aus dem Reich der Toten (Vertigo)
  • 1959: Der unsichtbare Dritte (North by Northwest)
  • 1960: Psycho (Psycho)
  • 1963: Die Vögel (The Birds)
  • 1964: Marnie (Marnie)
  • 1966: Der zerrissene Vorhang (Torn Curtain)
  • 1969: Topas (Topaz)
  • 1972: Frenzy (Frenzy)
  • 1976: Familiengrab (Family Plot)

Weblinks[Bearbeiten]