Atomschirm und Dichterspion

Aus Duckipedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Atomschirm und Dichterspion
The Atombrella and the Rhyming Man
Erstveröffentlichung: 30. April 1948 – 9. Oktober 1948
Entstehungsdatum: 1948
Storycode: YM 115
Story: Bill Walsh
Zeichnungen: Floyd Gottfredson
Seiten: 140 Strips auf (46 2/3 Seiten)
Deutsche Übersetzung:
Deutsche Erstveröffentlichung: Die großen Klassiker 18
Weiterführendes
Liste der Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson

link= YM 115 Infos zu Atomschirm und Dichterspion

beim I.N.D.U.C.K.S.
Die Kumquat-Krise
Atombombe?

Atomschirm und Dichterspion oder auch Micky Maus und Gammas Erfindung bzw. Micky Maus und der dichtende Spion (Original The Atombrella and the Rhyming Man) ist eine Comicgeschichte von Bill Walsh und Floyd Gottfredson.

Die Geschichte schließt an Die Kumquat-Krise an und erzählt von Mickys Heldentaten gegen den dichtenden Spion, der die Bewohner der USA mit biologischer Kriegsführung auslöschen möchte.

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Nervennahrung für Ideen

Die Geschichte beginnt mit ganz belanglosen Szenen aus dem Alltag von Micky und Gamma. Gamma erfindet eher weniger nützliche Dinge wie einen Anti-Schnarch-Helm, Rückenkratzer, ein Spray für Flohschnupfen, … Micky meint zu Gamma, dass er doch was Sinnvolles erfinden solle und so grübelt Gamma intensiv nach. Da Micky ihn dabei eher stört, versucht ihn Gamma nun irgendwie zu beschäftigen. Das macht er mit einem gebildeten Affen (Gorilla), der von nun an Micky daran hindern soll, etwas über Gammas Projekt herausfindet. Nach einiger Zeit ist Gamma mit seinem Projekt fertig und so verlässt der Affe Micky dauerhaft. Nun zeigt Gamma Micky seinen großen Wurf: Den Atomschirm, der absoluten Schutz vor der Atombombe bieten soll. Micky erkennt zwar sofort das Potenzial der Erfindung, meint aber, dass sie noch getestet wurde. Als Goofy nun auch bei Micky auftaucht, wird er genötigt den Schirm zu testen. Um auf Nummer sicher zu gehen, suchen sie noch Professor Koppelhoffer auf. Gamma und der Professor unterhalten sich auf Augenhöhe, während Micky doch dann nur chinesisch versteht. Da Professor Koppellhoffer noch ein Kind ist, hat auch dessen Mutter ein Wörtchen mitzureden. Es kommt zum regen Austausch zwischen Gamma und dem Professor. Da Micky entbehrlich ist, darf er als Versuchsmäuschen herhalten. Offensichtlich scheint die Erfindung zu halten, was sie verspricht. Mit dem Erfolg wächst aber auch die Angst vor einem Diebstahl, besonders da die Drei Kameras und Mikrofone im Labor entdeckt haben. Durch Koppelhoffers Mutter trennen sich nun die Wege von Gamma und seinem neuen Freund.

Micky und Gamma werden überwacht

Zuhause bei Micky werden er und Gamma von einem Mann beobachtet. Der hat es auf den Atomschirm abgesehen und er dringt nachts ins Haus ein, um den Atomschirm zu stehlen, was ihm aber durch Plutos Eingreifen nicht gelingt. Szenewechsel: man sieht den Mann in Mildreds Eisdiele gehen, dort trifft er sich mit zwei weiteren Personen, Mildred der Eigentümerin und Tricks, einem Trickser, der sich unsichtbar machen kann. Offensichtlich sind alle drei Spione. Nun versucht Tricks sein Glück, um den Atomschirm zu stehlen. Letztendlich gelingt es ihm sogar und er kehrt mit seiner Beute in die Eisdiele zurück. Tricks hat Tauben benutzt, um zu fliehen. Micky und Gamma erhalten so eine Spur und durch eine Taube aus einer Tierhandlung, finden sie eine Spur zur Eisdiele. Micky und Gamma wissen aber noch gar nicht, dass sie das Versteck der Übeltäter bereits gefunden haben, sondern gönnen sich den einen oder anderen Eisbecher. Währenddessen erklärt der Dichterspion Tricks, dass er vorhat durch biologische Kriegsführung in Form von Käfern, die Menschheit auszulöschen. Der Schirm würde nun die wichtigsten Personen am Leben erhalten. Erst beim Verlassen erschnüffelt Gamma die Spione. Doch es läuft nicht nach Plan, Micky und Gamma werden gefangen genommen. Durch eine List schaffen sie es, Tricks verschwinden zu lassen. Nun greift auch Mildred ein und bedroht die Helden wieder. Der Dichterspion will nun Micky beseitigen, während er Gamma umwirbt. Micky ist gefesselt und ein Würgerbaum soll ihn ausschalten. Pluto hat aber inzwischen Mickys Fährte aufgenommen und kann Micky kurz vor dessen Ende noch retten. Es stellt sich heraus, dass der Dichterspion und Mildred für unterschiedliche Organisationen arbeiten und nicht dieselben Ziele haben. So entledigt sich der Dichterspion auch von Mildred und verschwindet anschließend mit seiner Beute und dem bewusstlosen Gamma. Eine Visitenkarte bei Mildred für „den verzauberten Tintenfisch“ lässt Micky und Pluto nach Gamma suchen und führt zu einem Restaurant am Strand.

Des Dichters finstere Pläne

Der Dichterspion ist noch immer mit dem bewusstlosen Gamma auf der Flucht und gelangt mittels Boot auf ein größeres Schiff. Auch Micky rudert dorthin, wird aber mit einer Maschinenpistole aufgehalten und anschließend versucht ihn der Matrose des feindlichen Schiffes zu ertränken. Doch Mickys Kleidung verfängt sich am Anker des Schiffes, der nun gelichtet wird. So ist er zwar bewusstlos, gelangt aber wieder zu Sauerstoff. Er kann der Küstenwache Signale geben, die die aber falsch verstehen und annehmen, es würde sich um eine Amateurfilmproduktion handeln. Nun fliehen der Dichterspion und sein Matrose, gemeinsam mit den Geiseln Micky und Gamma ans Festland, wo eine fliegende Untertasse auf sie wartet. Doch der Dichterspion entledigt sich nun auch des Matrosen. Letztendlich fliegt der Dichterspion mit den zwei Gefangenen davon, wird aber von der Luftwaffe verfolgt. Doch das UFO ist schneller als ein Düsenjet, so scheint es als könnte der Dichterspion Erfolg haben. Micky und Gamma essen etwas Kaugummi und können den Dichterspion durch die Riesenblasen ablenken, die Kontrolle an sich reißen und das UFO zu Wasser landen. An der Hülle des UFOs kommt es zum Showdown, der damit endet, dass der Dichterspion ins Wasser fällt, durch seine Orden runtergezogen wird und vermutlich ertrinkt. Zurück zuhause wird Micky und Gamma nun mitgeteilt, dass sie Helden seien. Aber aus Gründen der nationalen Sicherheit, niemals jemand etwas über ihre Heldentaten erfahren würde.

Hintergrund und Bedeutung[Bearbeiten]

Versuchsmäuschen

Ein herausragendes Merkmal der Entstehungszeit der Geschichte ist laut Andrae, die Thematik Paranoia durch den „Kalten Krieg“. Die Amerikaner hatten mit der Entwicklung und dem Einsatz der Atombombe den Weltkrieg gewonnen. Zugleich aber Angst vor den Sowjets, dass diese die Pläne stehlen und schließlich die Weltherrschaft an sich reißen könnten. Die „Roten“ wurden nun genau so dämonisiert wie die „Nazis“. Daher begann man damit viele Eigenheiten zu übertragen. Der Dichterspion wirkt genau wie Nazis rücksichtslos und dämonisch und plant die USA mit biologischer Kriegsführung (Giftgas) anzugreifen. Er ist nicht nur empathielos, sondern auch verrückt mit einer multiplen Persönlichkeit. In der Geschichte „Atomschirm“ erfindet Gamma einen Anti-Atombomben-Hut in Form eines Regenschirms, der aber nur wenig Sicherheit bei den Tests mit Miniatombomben verspricht. Durch die Gefahr von Atomen und Spionen wird eine Weltuntergangsstimmung und die Paranoia jener Zeit aufgezeigt. Die Geschichte soll auch die düstere Stimmung jener Zeit zeigen, in der auch der Zusammenhalt zwischen amerikanischen Patrioten und unamerikanischen Menschen schrumpfte. Da Frauen häufig während dem Zweiten Weltkrieg Männerarbeit verrichten mussten, wurden auch Frauen häufig als Mannsweiber dargestellt. Ihren Job nach der Rückkehr wieder aufzugeben war ein weiteres Problem jener Zeit und im Film Noir führten die Femme fatale die Männer häufig ins Verderben. In der Geschichte verkörpert Mildred eine maskuline Frau. Ein weiteres Element jener Zeit wird durch Tricks dargestellt, der jederzeit verschwinden oder erscheinen kann. Er steht symbolisch für die konkrete wie auch die im Dunklen agierende Bedrohung. Hier führt Andrae das FBI an, das tausende Amerikaner überwachen lies. FBI-Agenten waren hochspezialisierte Techniker von den besten Universitäten, deshalb hatte der Affe auch einen Yale Pullover an. Wissenschaftler wurden zu einer Schlüsselfigur des Amerikas der 1940er Jahre. Walsh parodiert diese mit dem Professor Koppelhoffer in Kinderform. Dessen Labor aber mit zahlreichen Mikrofonen und Kameras bestückt ist. Die Atombombe führte von der anfänglichen Sicherheit hin zu Paranoia und zur Angst vor dem Weltuntergang. Die Science-Fiktion Elemente jener Zeit zeigen dann noch eine weitere Angst auf, die Angst vor einer Invasion durch fliegende Untertassen. 1947 kam es zu UFO Sichtungen und wurde das wurde besonders in den 1950ern ein beliebtes Szenario in Medien. Am Ende der Geschichte stolpert der Dichterspion an seiner Überheblichkeit. Er sinkt durch seine Orden unter Wasser, was eine Metapher für den Nationalismus und der Geltungssucht der Sowjetunion darstellen soll. Micky verändert sich in der Geschichte, während er lange nur Gammas Sidekick war und auf Gammas Kapriolen reagierte, kehrt er in dieser Geschichte mit Schläue zurück. Am Ende bleiben die Heldentaten Staatsgeheimnisse und Micky wird wieder zum Durchschnittsamerikaner.[1]

Mantel der Verschwiegenheit

Komorowski erklärt, dass die Geschichten aus den 1940ern und 1950ern nicht mehr an die früheren Werke von Walsh und Gottfredson heranreichten, was auf die veränderten Lebensumstände zurückzuführen ist. So war die Welt eine andere, als zu Beginn ihres Schaffens. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich die amerikanische Bevölkerung in einer paranoiden Angst vor dem Atomzeitalter sowie einer Antikommunismus-Hysterie. Die Sorge vor Unterwanderung und Infiltrierung sei großer als zu Zeiten des Krieges gewesen. Auch die Medien änderten sich und im Film Noir wurden Durchschnittstypen als Held zum Mittelpunkt und auch die Micky Maus Comics konnten sich diesem Wandel nicht entziehen. Diese Geschichte spiegelt am ehesten die Nachkriegsthemen wider und orientiert sich erzähltechnisch an die Abenteuer der Vorkriegsjahre. So erfindet Gamma einen Schirm, der vor atomarer Bedrohung schützen soll, doch das muss erst getestet werden. Der abrupte Stimmungswechsel erinnert stark an den Film Noir. Der Bösewicht stellt sich später als fiesester und psychisch labilster Fiesling seit Jahren heraus. Er würde Verbündete opfern, wenn es ihm einen Vorteil bringen würde. Der pessimistische Unterton der Geschichte würde sich an Erwachsene richten und enthält weitere Elemente, die man heute, für Kinder geschriebene Comics, nicht mehr abdrucken würde. Hier werden die Bösewichte tatsächlich ausgelöscht. Das Schicksal des Dichterspions blieb im Unklaren. Das Ende endet mit einem Knall, indem die Helden ins Alltagsleben zurückkehren, nachdem die Handlung wochenlang sorgfältig aufgebaut wurde.[2]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weitere Impressionen aus der Geschichte[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

  • Joe Torcivia erzählt in der Floyd Gottfredson Library, dass die Comicstrips von Floyd Gottfredson in der Zeitschrift „Walt Disney’s Comics and Stories“ einige Jahre später erneut abgedruckt und im Gegensatz zu den Tageszeitungen gesammelt wurden. Doch Gamma hat nie den Weg in die Comichefte der 1950er gefunden, da der Verlag begann ab 1951 neue Micky Maus Geschichten zu produzieren und die Geschichten mit Gamma nie nachgedruckt wurden, so geriet die Figur schließlich in Vergessenheit.[3] Erst 2010 wurde die Geschichte nach den Tagesstrips erneut in den USA abgedruckt.
  • In dieser Geschichte kann Gamma nicht die Zukunft vorhersagen.
  • Alle drei Antagonisten versterben in der Geschichte: Tricks wird von Gammas Erfindung ausgelöscht, der dichtende Spion entledigt sich Mildreds und der Dichterspion ertrinkt im Meer.

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrae, T. (2022). Von Mäusen und Menschen - 1946-1948: Kolossal Kalter Krieg. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 9, S. 9-14). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  2. Komorowski T. (2022). Reim dich, oder …. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 9, S. 212). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  3. Torcivia, J. (2022). Pbesser pspät als pnie. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 9, S. 142). Berlin: Egmont Verlaggesellschaften mbH.