Micky Maus auf der Schatzinsel

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Micky Maus auf der Schatzinsel
Micky und Käpt’n Klüses sonderbarer Schatz
Mickey Mouse Sails for Treasure Island
Erstveröffentlichung: 16.05.1932–11.11.1932
Entstehungsdatum: 1932
Storycode: YM 014
Story: Floyd Gottfredson
Zeichnungen: Floyd Gottfredson
Tusche:

Al Taliaferro

Seiten: 155 Tagesstrips, 52 Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Gerd Syllwasschy in der FGL
Deutsche Erstveröffentlichung: Mickys Klassiker 4
Weiterführendes
Liste der Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson

link= YM 014 Infos zu Micky Maus auf der Schatzinsel

beim I.N.D.U.C.K.S.
Der große Waisenhausraub

Micky Maus auf der Schatzinsel (im englischen Original Mickey Mouse Sails for Treasure Island, auf Deutsch auch Micky und Käpt’n Klüses sonderbarer Schatz) ist eine von Floyd Gottfredson getextete und gezeichnete sowie von Al Taliaferro getuschte Comicgeschichte aus dem Jahr 1932. Mickys Gegenspieler Kater Karlo und Balduin Beutelschneider sind, nachdem sie in Der große Waisenhausraub ins Gefängnis kamen, wieder ausgebrochen. Sie versuchen, sich einen Piratenschatz, der auf einer Insel versteckt ist, unter den Nagel zu reißen und schrecken dabei vor Gewalt nicht zurück.

Die Witwe trägt ein Geheimnis mit sich herum... (© Egmont Ehapa)

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Micky kommt nach seinem letzten Abenteuer nach Hause und sichtet gemeinsam mit Minnie die Post, die sich in seiner Abwesenheit angesammelt hat. Neben zahlreichen Briefen von Fans, die Micky jetzt hat, steckt unter dem Haufen Papier auch ein ernstes Blatt: Jemand, der sich namentlich nicht zeigen möchte, bittet Micky um Hilfe. Es gehe um etwas Wichtiges; vielleicht wird Micky sogar beobachtet. Wenn der Mäuserich sich einverstanden zeigt, soll er eine Kerze in sein Nordfenster stellen. Auch wenn Minnie ihren Verlobten davon abbringen möchte, weitere Abenteuer auf sich zu nehmen, so stellt Micky die Kerze ans Fenster. Am nächsten Morgen eilt Rudi Ross ins Haus. Er bringt Micky eine erschreckende Nachricht: Kater Karlo und Balduin Beutelschneider sind wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen![1] Trotz der widrigen Umstände wagt sich Micky zum Ort, der in dem Brief aufgemacht war, der Bugsprietgasse 133. Die Überraschung ist groß: Hinter der Tür kommt die Witwe Kirchmaus zum Vorschein. Sie erklärt, dass sie in den Dokumenten ihres verschollenen Mannes einen Umschlag fand. Er muss sehr wertvoll sein, denn die Witwe wurde in letzter Zeit fünf mal bedroht – wahrscheinlich, um den Brief zu ergattern. Da sie weiß, dass Micky tapfer und mutig ist, möchte sie ihm den Brief anvertrauen. Micky fragt sich, was darin ist. Die Antwort: Zwei Schatzkarten, die, nebeneinander gelegt, den Weg zu einer Insel weisen. Ein Schatz? Micky springt vor Begeisterung in die Luft!

Ein Hurrikan! (© Egmont Ehapa)

Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn die Witwe Kirchmaus ist arm und hat kein Geld, um eine Expedition zur Insel zu finanzieren. Doch Micky fällt ein, dass er neulich für die Ergreifung von Karlo und Beutelschneider 500 Dollar Kopfgeld gekriegt hat. Also lässt er sich die Karte zeigen und geht das Risiko ein, für den Schatz sogar umgebracht zu werden. Am nächsten Tag stellt Micky sich eine Besatzung zusammen. Die verweigert jedoch zunächst den Dienst, denn auf der „Morgengabe“, dem Schiff, mit dem Micky fahren möchte, spukt es angeblich. Aber die Besatzung lässt sich bereden und so geht es schließlich los. Minnie ist mit von der Partie. An Bord ereignen sich über die Zeit einige mysteriöse Zwischenfälle: Die Spukvermutungen scheinen wahr zu sein! Aus dem Frachtraum schmeißt jemand ein ganzes Haigerippe und nachts huscht dieser jemand über das Deck. Micky und seine Besatzung können den Geheimnisvollen allerdings bald fesseln. Und es ist: ein Gorilla!

Die Erzfeinde in neuer Montur... (© Egmont Ehapa)

Während die „Morgengabe“ der Insel immer näher kommt und Micky mit Rudi in ständigem Funkkontakt steht, planen der Bootsmann und der Kapitän zweiten Ranges eine Meuterei. Es kommt an Bord zu einer groß angelegten Prügelei, die sich über einen längeren Zeitraum hinzieht. Letztendlich verliert Micky und wird mit dem Gorilla im Beiboot auf hoher See ausgesetzt. Minnie hat in Zukunft für die Herren zu sorgen, die die Meuterei erst angezettelt haben und jetzt die Verkleidung ablegen – Kater Karlo und Balduin Beutelschneider! Während die beiden Mäuse also nicht wissen, wie es dem anderen ergeht, erfasst Micky ein Sturm. Und nicht irgendein Sturm, sondern ein Hurrikan! Sein Boot wird durch die zwanzig Meter hohen Wellen geschleudert wie ein Golfball auf dem Rasen. Der Gorilla kommt frei und greift Micky zwar an, aber beide merken, dass sie zusammenhalten müssen, um zu überleben. Der Sturm flacht ab und Micky findet sich auf einer Insel wieder. Der Gorilla kümmert sich um den Mäuserich, der nicht ganz bei Kräften ist. Micky versucht, zu Essen zu gelangen und sich für den Fall zu wappnen, dass ein Schiff vorbeikommt und ihn retten könnte – er türmt Holz für ein Signalfeuer auf.

Als Micky bald darauf am Strand herumstöbert, um Holz für ein Floß zu sammeln, macht er eine grauenhafte Entdeckung: Die Kajüte der „Morgengabe“ liegt zerschollen zwischen dem Sand. Das scheint also das Ende von der Expedition zu sein. Und Micky denkt an das Schlimmste: Minnie ist tot! Doch er macht eine weitere Sichtung: Ein weiteres Schiff, das am Strand liegt. Das könnte die Rettung für ihn sein! Aber sie ist es nicht, denn es handelt sich um die Besatzung der Morgengabe: Karlo und Beutelschneider rätseln derweil an einer Karte herum, die sie Micky vor dem Aussetzen abgenommen haben, und fragen sich, wo der Schatz liegen könnte. Aber so schlau wie Micky war, hat er die richtige Karte in seinem Schuh versteckt! Doch das bietet keinen langen Grund zur Freude, denn Minnie muss in dem provisorischen Lager für die Männer kochen und wird schlecht behandelt. Micky sucht nach dem Affen, den er Spuki tauft, um mit ihm gemeinsam die Schurken fertigmachen zu können. Auf der Suche nach dem Tier stöbert ihn ein Kannibalenstamm auf – und der will Micky essen!

Die Suche nach dem Schatz ist in ihren letzten Schritten... (© Egmont Ehapa)

Er wird dem „weißen Gott“, dem Stammesoberhaupt, vorgesetzt. Der Mann, eindeutig kein Kannibale seit Geburt, ist ein wenig wirr im Kopf – Micky bleibt gerade noch einmal verschont. Er kann sich gemeinsam mit den Kannibalen verbündeln und bricht zu einem Gegenangriff auf. Micky und Minnie sehen sich wieder und es tobt ein zweiter großer und wilder Kampf. Die Matrosen, angeführt von den Erzfeinden Karlo und Beutelschneider, setzen Schusswaffen ein, die die Kannibalen so erschrecken, dass sie die Flucht ergreifen. Micky und der „weiße Gott“ werden an einen Baum gebunden und sollen mit einer Kanone abgeschossen werden. Die Lunte wird angezündet. Micky schließt gedanklich schon mit seinem Leben ab. Wer kann ihn jetzt noch retten?

Aus dem Nichts taucht plötzlich Spuki, der Gorilla, auf und richtet die Kanone auf die Schurken. Spuki befreit seine Freunde, die sich aber bald darauf schon im nächsten Kampfgetümmel wiederfinden. Doch weil Spuki weitere Gorillas holt, findet der Kampf ein abruptes Ende. Aber Shakespeare, wie Micky das Oberhaupt der Kannibalen genannt hat, wurde von Karlo auf dem Kopf getroffen und liegt bewegungslos auf dem Boden. Als er wieder aufsteht, spricht er von Bombo, seinem dressierten Affen. Micky kennt er nicht mehr! Was ist mit „Shakespeare“ passiert? Langsam wird diesem selbst alles klar: Er hat vor langer Zeit schon einmal einen Schlag auf den Kopf bekommen und jetzt wieder einen. Demnach handelt es sich um Amnesie. Nun möchte Micky nur noch wissen, um wen es sich handelt. Die Überraschung ist eine wahrhaftige: Shakespeare soll der 15 Jahre lang verschollene Käpt’n Kirchmaus sein!

Der Schatz wird gemeinsam geöffnet. (© Egmont Ehapa)

Der fühlt sich jetzt wieder jung und legt seine alte Kluft an, die sich noch auf dem Schiff befand. Er kennt das Versteckt des Schatzes und führt Micky dorthin. Karlo und Beutelschneider dürfen ihn ausbuddeln. Zuhause blüht den beiden eine erschreckende Strafe, weil sie Meuterei angezettelt haben: Der Galgen! Doch das kann selbst Micky nicht mit ansehen. So befreit er seine beiden Erzfeinde und gibt ihnen ein Gewehr mit 10 Schuss, um zu überleben. Käpt’n Kirchmaus und seine Besatzung legen am nächsten Tag ab. Derweil ist zu Hause die Aufregung groß: Die Witwe Kirchmaus liegt im Sterben und Micky, Minnie und der Rest der Besatzung sind verschollen! Rudi eilt zum Langstreckenfunk und lässt eine Nachricht absenden. Micky empfängt sie zwar mit dem gerade eben reparierten Funkgerät an Bord, kann aber nicht antworten. Mit einer unglaublichen Schnelligkeit segeln die Mäuse nach Hause. Um die Witwe steht es aber nach wie vor schlecht…

Doch Micky schafft es: Er kommt wieder an! Sofort eilen alle zur Witwe. Die ist so glücklich über die Rückkehr ihres Mannes, dass sie sich erholt. Der Schatz wird ins Haus hineingetragen und die Truhe geöffnet. Der Anblick des Goldes darin erstaunt alle! Nicht nur für hilfesuchende Leute ist Micky also mittlerweile eine Anlaufstelle, sondern auch für die Presse. So werden er und seine Geschichte in zahlreichen Zeitungen auf der ersten Seite abgedruckt. Minnie findet so viel Wirbel um ihn nicht wirklich schlimm, sondern freut sich sogar, aber Micky macht sich sorgen: Was, wenn dadurch neue Feinde auf ihn aufmerksam werden? Und genau das passiert schon mehr als bald…

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Kannibalen nehmen eine zentrale Rolle ein und beschäftigen Micky und die anderen auf der Insel. (© Egmont Ehapa)

Die Zeichentrickfilme, die Gottfredson als Quelle für seine Geschichten heranzog, boten ihm damals hervorragendes Material für gute und letztendlich stimmige Abenteuergeschichten. Micky Maus auf der Schatzinsel ist ein gutes Beispiel für die gelungene Verbindung einer Cartoonhandlung mit einem Klassiker der Literatur. Die Geschichte beginnt mit der Reise zu einer geheimnisvollen Insel voller Kannibalen, wie sie im Film Trader Mickey (1932) zu sehen war. Das Ganze wird mit Szenen von Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“ ergänzt. Wie Jim Hawkins im Roman bereist auch Micky die Weltmeere auf der Suche nach Glück und Reichtum. Die Rolle von Long John Silver nehmen zwei von Mickys Gegenspielern ein, die sich – genau wie Silver – verkleiden, um nicht sofort erkannt zu werden. Der Eremit Ben Gunn wird im Comicstrip von Will Shakespeare verkörpert, einem bärtigen Kauz mit überraschendem Geheimnis. Die Kannibalen aus Trader Mickey sind das einzige größere Element, das nicht von Stevensons Geschichte inspiriert wurde. Wie im Cartoon sind auch in der Gottfredson-Geschichte die schwarzen Eingeborenen ein typisches Stereotype der 1930er. Sie werden als humanoide Affen mit schwarzer Haut oder schwarzem Fell dargestellt – genauso wie Micky ja auch eine humanoide schwarzfellige Maus ist. Damit steht die Geschichte im Stern ihrer Zeit, ebenfalls wie der völlig deplatzierte Südstaatenakzent der Eingeborenen im englischen Original.[2]

Das erste Aquarell vom April 1980. (© Disney)

Kannibalen sind wahrscheinlich das Groschenroman-Storyelement, das Floyd Gottfredson am häufigsten benutzt hat und das alle paar Jahre erneut auftauchte. Jedoch verwendete Gottfredson diese Stereotype meist in abgeschwächter Form: So beten die schwarzen Eingeborenen auf der Insel zwar einen tarzanartigen „weißen Gott“ an, doch ist dieser auch nur eine humanoide Maus mit schwarzem Fell und somit keinen Deut „weißer“ als diejenigen, die ihn anbeten. Und obwohl die Kannibalen Micky zuerst verspeisen wollen, werden sie später zu seinen Verbündeten. Am Ende schaffen sie es nicht nur, Micky zu retten, sondern auch, mehrere weiße Piraten zu schlagen. Gottfredson versuchte also bewusst, gewisse Stereotype nur abgemildert zu verwenden und bot damit eine schöne Alternative zu den üblichen Klischees der damaligen Zeit.[2]

Das zweite Aquarell, stark angelehnt an eine Szene der Wiederkehr, vom Juli 1983. (© Egmont Ehapa, © Disney)

Aquarelle[Bearbeiten]

Zu dieser Geschichte malte Floyd Gottfredson 1980 und 1983 zwei Aquarelle. Damit ist Micky Maus auf der Schatzinsel eine der Geschichten, welcher zwei Aquarelle zuteil wurden. Eins davon wurde einer Szene aus der Geschichte selbst entlehnt, siehe den Bildzusammenschnitt links.

Trivia[Bearbeiten]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachdem die beiden in Der große Waisenhausraub, der vorherigen Stripgeschichte, ins Gefängnis gekommen waren, scheinen sie nun wieder frei zu sein.
  2. 2,0 2,1 David Gerstein: Die Königin aller Schatzinseln. Floyd Gottfredson Library 2, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 54.