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René Goscinny

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Albert Uderzo im Jahre 2005 (© Peters, Hans / Anefo, © Wiki Commons)

René Goscinny (* 14. August 1926 in Paris; † 5. November 1977 ebenda) war ein französicher Autor und und einer der bekanntesten Comicautoren des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er durch die Comicserie über den Indianer Umpah-Pah (ab 1951) und vor allem mit der Comicserie Asterix, einer der erfolgreichsten Comicserien aller Zeiten. Umpah-Pah und Asterix schuf er zusammen mit seinem Freund Albert Uderzo. Ab 1955 textete er außerdem die Comics über den von Morris gezeichneten Cowboy Lucky Luke und den Großwesir Isnogud (gezeichnet von Jean Tabary).

Als Autor wurde er durch seine von Sempé illustrierten Geschichten über den kleinen Nick (Le Petit Nicolas) berühmt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

René Goscinnys Eltern waren Juden polnischer Abstammung mit französicher Staatsangehörigkeit. Goscinny wuchs im argentinischen Buenos Aires auf. Goscinnys Vater Stanislas „Simkha“ Gościnny wurde iim polnischen Warschau geboren und war als Chemie-Ingenieur tätig. Er starb 1943. Seine Mutter, Anna (Hanna) Bereśniak-Gościnna, an der er zeitlebens sehr hing, starb 1974 in Paris. Anna Bereśniak-Gościnna wurde in Chodorków, einem Dorf nahe Schytomyr in der Zweiten Polnischen Republik geboren. Heute zählt Schytomyr zur Ukraine, weshalb Goscinnys Wurzeln manchmal fälschlicherweise als polnisch-ukrainisch angegeben werden.

Stanislas Goscinny war Angestellter bei der Jewish Colonization Association und führte in Argentinien ein landwirtschaftliches Unternehmen.1927, als Goscinny ein Jahr alt war, holte Stanislas seine Familie nach Buenos Aires. Dort besuchten René und sein älterer Bruder Claude eine französische Schule.[1] Im Jahre seinens Abiturs (1943) starb Renés Vater Stanislas an einem Schlaganfall (Intrazerebrale Blutung).[2] René Goscinny musste eine Arbeit finden und so arbeitete er im darauffolgenden Jahr als Hilfsbuchhalter in einer Reifenfabrik und später als Zeichner in einer Werbeagentur. 1945 wanderte er mit seiner Mutter nach New York aus, da er das Ziel verfolgte, für Walt Disney zu arbeiten. Dieser Wunsch ging jedoch nicht in Erfüllung, und so verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. In New York lernte er Harvey Kurtzman, den späteren MAD-Magazin-Gründer, kennen. Dieser gab ihm die Möglichkeit, Kinderbücher zu kolorieren. 1949 schließlich lernte er die belgischen Comiczeichner Joseph Gillain (besser bekannt als Jijé und Morris (Maurice de Bévère) kennen. Morris bestärkte ihn darin, weiter an Comics zu arbeiten. Ab 1955 dann schrieb Goscinny für Morris die Texte des Comics Lucky Luke.[1]

1950 wanderte Goscinny nach Europa aus, wo er sich in Brüssel niederließ. Dort konnte er erstmals Comics veröffentlichen. Goscinnys 1950 entstandene Serie Dick Dicks, die Parodie einer Detektivgeschichte, wurde in einigen Tageszeitungen veröffentlicht, u. a. 1955/56 in La Libre Junior, der Kinderbeilage von La Libre Belgique. Die einzige andere von ihm gezeichnete Serie war Le capitaine Bibobu, die 1955/56 in Risque-Tout erschien. Nach diesen Serien allderdings stellte Goscinny seine zeichnerischen Arbeiten ein und widmete sich nur noch dem Schreiben von Szenarios für andere Künstler.

René Goscinny (l.) zusammen mit Albert Uderzo (r.), mit dem er gemeinsam die Serie Asterix kreierte

Im Jahr 1951 traf er dann den Zeichner Albert Uderzo, mit dem eine lange, fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit beginnen sollte. Gemeinsam schufen Goscinny und Uderzo folgende Serien über:

  • den Kaperkapitän Pitt Pistol (1952–1956 in La Libre Junior)
  • den jungen Reporter Luc Junior (1954–1957 in La Libre Junior) (mit gewissen Ähnlichkeiten zu Tim und Struppi)
  • das Geschwisterpaar Benjamin & Benjamine (1956–1959 im gleichnamigen Magazin sowie in Top)
  • den Indianer Umpah-Pah (1958–1962 in Tintin)
  • den Gallier Asterix, ihren mit Abstand größten Erfolg, der 1959–1974 im Magazin Pilote vorveröffentlicht wurde und heute ausschließlich in Albenform erscheint.

Ab 1952 wurde Goscinny als Autor bei dem Magazin Spirou aktiv. Für Spirou textete er zunächst drei Onkel-Paul-Episoden sowie für Jijé ein Jerry-Spring-Abenteuer, konzentrierte sich ab 1955 aber fast ausschließlich auf Lucky Luke, den armen, einsamen Cowboy und Westernheld, von Morris. Ab 1956 schrieb Goscinny auch Skripts und Gags für das Magazin Tintin, wo er mit etlichen Zeichnern zusammenarbeitete, u. a. mit Franquin an Mausi und Paul, mit Maréchal an Prudence Petitpas (dt.: „Oma Pfiffig“ in Fix und Foxi), mit Berck an Strapontin (dt.: „Kasimir“ in ZACK), mit Attanasio an Spaghetti und nicht zuletzt mit Uderzo an Umpah-Pah.

Zudem schrieb er neben den Comics zwischen 1959 und 1965 für die Zeitschrift Sud-Ouest-Dimanche wöchentlich eine Episode von Der kleine Nick (Le Petit Nicolas), welcher ein wenig später auch in Pilote erschien. Die Kurzgeschichten wurden von Jean-Jacques Sempé illustriert, der die Titelfigur bereits 1954 für Le Moustique kreiert hatte: Dort war sie unter Goscinnys Einfluss 1955/56 sogar kurzzeitig als Comic erschienen. Übersetzt von Hans-Georg Lenzen erschien der Kinderbuch-Klassiker in Deutschland in sieben Sammelbänden.

Im Jahr 1959 gestaltete Goscinny zusammen mit Uderzo, Jean-Michel Charlier und Jean Hébrard das neue Magazin Pilote. Hier war er von 1963 bis 1974 Chefredakteur. Asterix hatte sein Debüt bereits in der ersten Nummer, und auch Der kleine Nick war von Beginn des Magazins an dabei. 1965 kreierte Goscinny mit Gotlib für das Magazin Pilote die Dingodossiers, eine durch das MAD-Magazin beeinflusste Serie von zumeist zweiseitigen Gag-Comics, die den alltäglichen Wahnsinn thematisierten. 1968 führte er Lucky Luke aus Spirou sowie die Serie Isnogud, die in Zusammenarbeit mit Jean Tabary 1962 für die Zeitschrift Record entstanden war, ins Magazin Pilote über. Goscinny bot auch jüngeren und experimentierfreudigen Zeichnern wie Marcel Gotlib, Claire Bretécher, Jean-Marc Reiser, Enki Bilal, Jacques Tardi oder dem späteren Filmregisseur Terry Gilliam in Pilote ein Sprungbrett.

1964 war er am Drehbuch von Tim und Struppi und die blauen Orangen beteiligt.

Ende der 1960er-Jahre kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Goscinny und seinen Mitarbeitern, da die politischen Unruhen diser Zeit auch die Redaktion erreichten. Goscinny war gekränkt, und die Atmosphäre bei Pilote war nie wieder die alte. 1974 dann lehnte der Verlag Dargaud, der seit 1960 Eigentümer des Magazins Pilote war, Goscinnys Vorschlag ab, für die Albenproduktion der Bestseller Asterix und Lucky Luke eine eigene Gesellschaft zu gründen, an der er zur Hälfte beteiligt werden wollte. Daraufhin verließ Goscinny Pilote, Asterix erschien von nun an ohne Vorveröffentlichung in Pilote in anderen Zeitschriften oder direkt als Album bei Dargaud. Goscinny verfügte nun über gnügend Zeit, um sich einem anderen Projekt zu widmen, und so gründete noch im selben Jahr zusammen mit Pierre Tchernia und Uderzo das Filmstudio Idéfix in Paris. Dort wurden die Zeichentrickfilme Asterix erobert Rom und Lucky Luke: Sein größter Trick produziert, die beide auf Vorlagen Goscinnys fußten. Mehrmals führte Goscinny auch selbst Regie.

Goscinny starb am 5. November 1977 in Paris bei einem ärztlichen Belastungstest an einem Herzinfarkt. Er hinterließ seine Frau Gilberte, mit der er seit 1967 verheiratet war, und seine 1968 geborene Tochter Anne.

Nach dem Tod[Bearbeiten]

Nicht lange nach Goscinnys Tod musste das Studio Idéfix wegen der schlechten Auftragslage geschlossen werden. Nachdem Dargaud Uderzo per Gerichtsbeschluss gezwungen hatte, den von Goscinny bereits begonnenen, aber nicht mehr fertiggestellten Band Asterix bei den Belgiern fertigzustellen, verließ Uderzo Dargaud und gründete seinen eigenen Verlag, den er in Gedenken an Goscinny Les Éditions Albert René nannte.[3][4] Daran beteiligt war auch Goscinnys Tochter Anne, die sich seit dem Tod ihrer Mutter 1994 um das Werk ihres Vaters kümmert, mit 20%, ehe sie diese im Jahr 2008 an den Verlag Hachette veräußerte. Auch Uderzo hatte 2008 bereits seine Anteile am Verlag Les Éditions Albert René an den Verlag Hachette übertragen. Goscinnys Tochter Anne stellte sich in einem Rechtsstreit gegen Albert Uderzo, als es um Geldforderungen Uderzos gegenüber Dargaud ging[3] (siehe im Artikel Albert Uderzo).

Stimmen zu Goscinny und heutiges Ansehen[Bearbeiten]

  • Albert Uderzo äußerte einst über seinen langjährigen Partner Goscinny: „René war ein heller Kopf, ein großartiger Humorist. Ich muss das gar nicht anpreisen, er hat es ja bewiesen. Und nicht nur das. Den Erfolg, den wir hatten, das ist vor allem sein Verdienst“[5]
  • „René Goscinny [...] war ein kreativer Hans Dampf, der in einer Blütephase europäischer Bildergeschichten wichtige Impulse setzte und dem Comic zu breiter Anerkennung verhalf. Seine leichtfüßige wie geistreiche Art des Geschichtenerzählens wurde quer durch alle sozialen Schichten verstanden und nahm dabei oft philosophische Züge an“.[1]
  • Nach dem Tod Goscinnys führte Albert Uderzo die Serie Asterix in Alleinregie als Autor und Zeichner fort. Hierfür erhielt Uderzo allerdings viel negative Kritik (siehe auch im Artikel Albert Uderzo). So reiche Uderzos Können nicht an die Fähigkeiten Goscinnys heran: Georg Seeßlen sagte dazu: Die „sehr spezielle Ironie von Goscinny, diese liebevolle Beobachtung menschlicher und sozialer Schwächen und die lustigen Story-Twists“, seien „von niemandem, auch nicht von seinem Freund und Vertrauten [Uderzo], zu erreichen“ gewesen. Die Scripts Uderzos seien „zweifellos gröber“ ausgefallen, vieles sei schlicht „Variation früherer Ideen“ gewesen.[3] Daneben gab es gar Stimmen, Uderzo verhunze die Serie (besonders mit Band 33 Asterix in Gefahr, wo Uderzo Superman- und Mangafiguren sowie Science-Fiction-Elemente in die Reihe integrierte[4][6][7]). Nichtsdestotrotz gilt es zu bedenken, dass Uderzo – trotz Kritik – eine erfolgreiche Fortführung der Serie gelang. So wurde etwa Band 29 Asterix und Maestria mit einer damaligen Rekordauflage von 2,3 Millionen Exemplaren auf den Markt gebracht.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Ralf Trommler: Goscinny-Ausstellung in Paris – Jenseits des Lachens, taz.de, 16.01.2018, abgerufen am 29.11.2018
  2. Englischer Wikipedia-Artikel über René Goscinny, abgerufen am 29.11.2018
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Georg Seeßlen in: ALFONZ – Der Comicreporter, Ausgabe Oktober - Dezember 2018, Barmstedt, Volker Hamann-Verlag, S. 27.
  4. 4,0 4,1 Stefan Pannor: Uderzo-Autobiografie - Papa Asterix stürzt ab, 17.02.2009, abgerufen am 28.11.2018
  5. Asterix-Erfinder – Beim Teutates! Uderzo ist gestorben, tagesschau.de, 24.03.2020, abgerufen am 24.03.2020
  6. Stefan Pannor: Neuer Asterix-Band: Viel Nichts um Lärm, spiegel.de, 14.10.2005, abgerufen am 28.11.2018
  7. Carsten Scheibe: Asterix Band 33: Gallien ist wirklich in Gefahr, stern.de, 16.10.2018, abgerufen am 28.11.2018

Quellen[Bearbeiten]