Schneewittchen und die sieben Zwerge

Aus Duckipedia
(Weitergeleitet von Schneewittchen)
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Walt Disney Meisterwerke

1

Schneewittchen und die Sieben Zwerge
Snow White and the seven Dwarfs
Schneewittchen Originalposter.jpg
© Disney • Quelle: duckipedia.de
Uraufführung: 21. Dezember 1937
Deutsche Uraufführung: 24. Oktober 1950
Produktion: Walt Disney
Regie: David Hand
Drehbuch: Ted Sears
Musik: Frank Churchill
Länge: 83 Minuten
Altersfreigabe: FSK 0
Besonderheiten:

Disneys erster abendfüllender Zeichentrickfilm

Weiterführendes
Liste aller Walt Disney Meisterwerke

Schneewittchen und die sieben Zwerge (im Original Snow White and the seven Dwarfs) ist Disneys erstes Meisterwerk und erster abendfüllender Zeichentrickfilm, sowie laut mehreren Quellen auch der erste abendfüllende Zeichentrickfilm überhaupt. Grundlage für den Film ist das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm. Der Spielfilm, der von 1934 bis 1937 entstand, erlebte seine Weltpremiere am 21. Dezember 1937 und startete regulär ab dem 8. Februar 1938 in den amerikanischen Kinos, in Deutschland wurde der Film offiziell erst am 24. Oktober 1950 veröffentlicht, die damalige deutsche Synchronfassung stammte aber schon von 1938. Regie führte David Hand.

Handlung[Bearbeiten]

Disneys erste singende Schönheit. (© Disney)

Der Film beginnt mit einer Kamerafahrt in ein Märchenbuch hinein. Nach der Vorstellung der bösen Königin, die bis vor Kurzem die schönste Frau im ganzen Land war, sieht man ihre Stieftochter Schneewittchen als Dienstmagd auf dem Hofe der Königin. Während Schneewittchen beim Singen eines Liedes einen schönen Prinzen antrifft, befragt die Königin mal wieder ihren Zauberspiegel, wer denn die Schönste im ganzen Lande sei. Doch dieses Mal muss sie zum ersten Mal mit anhören, dass der Spiegel nicht sie, sondern Schneewittchen zur schönsten Frau im Land kürt. Von unbändigem Neid getrieben, befiehlt sie einem Jäger, die verhasste neue Konkurrentin zu ermorden und ihr als Beweis seiner Tat das Herz des Opfers in einer Schatulle zu überbringen. Dieser jedoch bringt es nicht übers Herz, das junge Mädchen umzubringen – er lässt sie in den Wald fliehen und tötet an ihrer Stelle ein Tier, dessen Herz er der Königin übergibt. Nun ist also das arme Schneewittchen alleine im dunklen Wald, während die böse Königin es für tot hält. Das Mädchen verirrt sich und findet sich letzten Endes verängstigt inmitten vieler süßer Tiere wieder, mit denen sie ein weiteres Lied singt und die es trösten. Gemeinsam mit den Tieren findet die junge Prinzessin dann das Häuschen der sieben Zwerge. Da das jedoch sehr unordentlich und dreckig ist, macht sie sich zunächst, gemeinsam mit den Tieren, ans Putzen und Aufräumen.

Unterdessen kehren die sieben Zwerge singend von einem langen und harten Arbeitstag in ihrer Edelsteinmine zurück. Am Abend finden sie ihr Haus in ungewohnt reinlichem Zustand wieder und befürchten, ein Monster sie bei ihnen eingezogen. Stattdessen entdecken die sieben Herren mit das schlafende Schneewittchen in ihrem Schlafzimmer. So beginnen die acht ein fröhliches Zusammenleben. Die Zwerge sorgen für Schneewittchens Unterhaltung, diese dagegen kocht und putzt für die Zwerge, die sie zu erziehen versucht.

Die böse Königin jedoch ist noch immer in ihrem Schloss und kehrt zu ihrem Zauberspiegel zurück, ihn zu befragen. Doch groß ist ihr Erschrecken, als dieser noch immer Schneewittchen als die Schönste im ganzen Land bezeichnet! Sie ist also noch am Leben! Zu ihrem Unglück verrät der Spiegel gleich auch noch ihr neues Heim und die Königin plant, ihre verhasste Konkurrentin eigenhändig zu töten. Dazu verwandelt sie sich dank eines Zaubertranks in eine hässliche Bettlerin und vergiftet einen Apfel, den sie Schneewittchen bald darauf übergibt. Diese sinkt vergiftet zu Boden und die Königin kehrt zufrieden zurück. Doch die Tiere des Waldes finden bald das leblose Schneewittchen und holen die sieben Zwerge zu Hilfe, welche sofort die böse Hexe jagen. Es gelingt ihnen, sie an einem Abhang zu stellen, wo sie vom Blitz getroffen wird und in diatödliche Tiefe stürzt. Doch auch der Tod der Königin kann Schneewittchen nicht wiederbeleben und so müssen die trauernden Zwerge das grauenhafte Schicksal hinnehmen. Um die Schönheit Schneewittchens weiter bestaunen zu können, bauen sie ihr einen gläsernen Sarg, den sie vor ihr Haus stellen.

Eines Tages kommt zufällig der schöne Prinz, dem Schneewittchen bereits am Anfang des Filmes begegnet war, an dem Haus der sieben Zwerge vorbei und erblickt Schneewittchen. Überwältigt von ihrer Schönheit bittet er die Zwerge, sie einmal küssen zu dürfen. Doch durch den Kuss erwacht die totgeglaubte! Schneewittchen lebt wieder und hat sogar gleich noch ihren Prinzen gefunden, den sie heiraten will. Es folgt der schwierige Abschied von den Zwergen, bevor das neue Paar zum Schloss des Prinzen davonreitet, einem neuen Leben entgegen.

Produktionsgeschichte[Bearbeiten]

Die Produktionsgeschichte von Schneewittchen und die sieben Zwerge ist trotz des hohen Alters dieses Filmes sehr gut dokumentiert, was die Bedeutung von Disneys erstem Meisterwerk in der Filmgeschichte unterstreicht. Wichtigste Gründe für die Entscheidung, einen langen Zeichentrickfilm zu produzieren, waren die Reaktionen auf Disneys bisherige Werke und vor allem Walt Disneys Enthusiasmus, der dem Gespött seiner Hollywoodkollegen über diese „lächerliche Idee“ Stand hielt.

Die Idee zu einem abendfüllenden Zeichentrickfilm[Bearbeiten]

Walt Disney entschloss sich aus mehreren Gründen dazu, einen abendfüllenden Zeichentrickfilm entstehen zu lassen. Erstens lag es natürlich an seinem ständigen Streben nach Perfektion. Disney musste stets neue und größere Herausforderungen angehen und überwinden, dies gehörte zu seinem Charakter. Zum Zweiten lag es daran, dass das Disney-Studio nur überleben konnte, wenn es seine Bandbreite vergrößerte. Damals verdiente das Studio nur Geld durch kurze Cartoons, die in den Vereinigten Staaten lediglich als Vorprogramm in den Kinos verwendet wurden, Merchandising und einige wenige Comics, wobei diese damals ebenfalls nur als Merchandising anzusehen waren, da Disney sich durch diese bloß schnelles Geld und eine Popularitätssteigerung seiner Figuren erhoffte. Ein echtes Standbein des Unternehmens waren sie nicht.

Einige frühe Figuren-Entwürfe, parallel zur Produktion der Silly Symphony The Goddess of Spring (1934). (© Disney)

Die Lage des Studios, welches in den vergangenen Jahren sehr hohes Ansehen erlangte, zeigt sich sehr gut in folgendem Beispiel: die Walt Disney Productions erhielten 60 Prozent der Einnahmen von jedem ihrer Filme und dazu 20.000 Dollar Vorschuss auf jeden neuen Cartoon. Auch wenn dies eine große Leistung für ein Studio ist, das bis dato nur kurze Zeichentrickfilme produzierte und gar keine Spielfilme (egal in welcher Form), so ist zu bedenken, dass jeder Cartoon, nicht zuletzt aufgrund Disneys hoher Qualitätsanforderungen, 50.000 Dollar in der Produktion kostete. Ein Erstaufführungskino aber zahlte für einen Kurzfilm lediglich 150 Dollar pro Woche und Cartoon. Für abendfüllende Filme dagegen wurden 3.000 Dollar gezahlt, womit für Disney die Rechnung wohl klar gewesen sein müsste. Hinzu kommt, dass die genannten Zahlen für 1935 gelten, also zu der Zeit, als Disney einen neuen Vertrag mit United Artists abschloss und bereits ein Jahr, nachdem Walt Disney die Idee für Schneewittchen bekam. Vor dem neuen Vertragsabschluss waren diese Statistiken ungünstiger für Disney.

Als dritten Grund für die Entscheidung, einen langen Zeichentrickfilm zu produzieren, kann man den Erfolg seiner Cartoons und vor allem den Respekt, den sie erhielten, nennen. Das erste Kino, das ein gesamtes Programm nur mit einer Zusammenstellung von ca. acht Kurzfilmen aus den Disney Studios bestritt, befand sich in Stockholm. Dies war im Jahre 1934 und hat augenscheinlich Walt Disneys Vermutung bestätigt, dass Zeichentrickfilme Erwachsene einen ganzen Abend lang unterhalten können und nicht nur im Vorprogramm eines darauf folgenden Spielfilmes.

1935 bereisten Walt Disney und sein Bruder Roy O. Disney Europa und machten bei dieser Tour auch in Paris halt, wo Walt eine Medaille der Liga der Nationen erhielt. Am selben Tage lief in einem Kino in Paris als Hauptprogramm „L´Heure joyeuse de Mickey avec Les Trois Petits Chchons“, eine Zusammenstellung aus Micky-Maus-Cartoons und dem Cartoon Die drei kleinen Schweinchen. So konnte sich Disney noch einmal vor Ort davon überzeugen, dass seine bereits gereiften Pläne funktionieren könnten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits das Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ der Gebrüder Grimm als Vorlage ausgewählt.

Walt Disneys Enthusiasmus[Bearbeiten]

Walt Disney wurde, vor allem in späteren Jahren, heftig dafür kritisiert, dass er seinen Namen bei den Produktionen seines Studios voranstellte, obwohl er weder als Drehbuchautor, Regisseur, noch als Zeichner an den Filmen beteiligt war. Doch vor allem das Paradebeispiel Schneewittchen und die sieben Zwerge zeigt auf, wie sehr Walt Disney als ausführender Produzent in der Produktion seiner Filme involviert war. Auf nahezu alles in diesem Film hatte er einen kreativen Einfluss, auch bei einigen anderen Filmen trug er die Arbeit sämtlicher Künstler zusammen, verband dies mit seiner eigenen Vorstellung und bewies sehr viel Enthusiasmus.

Walt Disney auf der Titelseite des Time Magazines, 1937.

Walt Disneys Einfluss auf das, was sein erstes Meisterwerk werden sollte, begann bereits bei der Entscheidung, was denn die Grundlage für den Film werden sollte. Zum einem wollte er sich einen Jugendtraum erfüllen (mit 15 Jahren sah er einen schwarz-weißen Stummfilm, der auf diesem Stoff basiert; die damalige Aufführung dieses Films erfolgte mit 4 Projektoren, die leicht unsynchron, auf 4 Leinwände projizierten. Seitdem wollte Disney das Märchen selbst verfilmen), zum Anderen fand er besonders dieses Märchen für einen Trickfilm geeignet, da vor allem die Darstellung der Zwerge bei einer Spielfilmproduktion problematisch war. Somit war der Zeichentrickfilm in dieser Hinsicht dem Spielfilm überlegen. Walt Disney war von seiner Idee so sehr überzeugt, dass er sämtliche Stimmen überhörte, die seine Idee bezweifelten, darunter Hollywoods beinahe gesamte Elite, die Walts Projekt als „Disney´s Folly“ („Disneys Dummheit“ oder auch „Disneys Irrsinn“) bezeichnete, sowie auch Bruder Roy O. Disney und Ehefrau Lillian Disney. Walt aber nahm sogar eine Hypothek auf sein Haus auf und ging höchstpersönlich zu verschiedenen Banken, um das Geld zusammenzukriegen. Dies war auch bitter nötig, da aus Disneys veranschlagten 250.000 Dollar bei einer 18-monatigen Produktionszeit schnell 3 Jahre Produktionszeit und 1.500.000 Dollar Kosten wurden, eine für damalige Verhältnisse ungeheure Summe.

Ein gutes Beispiel für die schwierige Beschaffung des Geldes lieferte Disney selbst 1966, als er erzählte, wie er, nachdem sein Bruder Roy dies arrangiert hatte, einen Bankier traf, der ihm eine Viertelmillion vorstrecken sollte. Nachdem Disney einige Stücke aus dem Film gezeigt hatte, wandte sich der Bankier mit einem Gähnen ab und bemerkte, wie schön der Tag doch sei. Doch dann drehte Disney sich um und bejubelte das kommerzielle Potential im Film, damit der Bankier einwilligte. Einen anderen Bankier hat Walt Disney jedoch so lange eingewickelt, bis dieser nicht nur Geld für Schneewittchen vorstreckte, sondern auch für Pinocchio (1940). Auch bekam er Unterstützung von Kinos wie dem Radio City Music Hall, das seinen Film nach kurzer Vorstellung bereits lange vor Fertigstellung buchte.

Auch die Mitarbeiter riss Disney mit, so dass viele freiwillig Überstunden machten und eigene Ideen einbrachten, um das Projekt zu perfektionieren. Gemeinsam mit Walt Disney, der bei jeder Story-Konferenz anwesend war, besprachen sie die Möglichkeiten des Films. Für Manche war Disney sogar zu enthusiastisch. Er selbst, viele Mitarbeiter, einige Bankiers und Roy erzählten im Laufe der Jahre, dass der Film wohl nie fertig geworden wäre, hätte es nicht Druck von Seiten der finanziell interessierten Leute (hauptsächlich Roy Disney und die Bankiers) gegeben. Denn jedes Mal wenn die Technik voranschritt, wollte Walt Disney alles mit der neuen Technik neu drehen. Dies bezieht sich namentlich auf die Multiplane Kamera, die 1937 fertig gestellt wurde und im Oscar-prämierten Silly Symphony-Cartoon The Old Mill getestet wurde. Walt Disney wollte daraufhin alle Szenen, in denen man diese Kamera effektiv hätte einsetzen können neu drehen, was man ihm nicht gestattete, weshalb es nur wenige Multiplane-Szenen in Schneewittchen und die sieben Zwerge gibt, dafür wurde sie 1940 umso mehr und geradezu übertrieben oft in Pinocchio eingesetzt.

Auf der Suche nach Perfektion entschied sich Disney zudem, mehrere Szenen zu streichen, teilweise während der Produktion, aber auch aus dem fertigen Film. Herausgeschnitten wurde beispielsweise die Szene zu Beginn, in der Schneewittchens Mutter stirbt, aber auch zwei lustige Szenen von Ward Kimball, der die Zwerge beim Suppeessen und beim Bau eines, aus ihrer Sicht, überdimensionalen Bettes für Schneewittchen zeichnete. Disney selbst tat diese Entscheidung übrigens so leid, dass er Kimball bei sich zu Hause anrief und nochmals dafür entschuldigte, dass er die von ihm geliebte Suppenszene raus schneiden musste. Zwei weitere überlieferte geplante Szenen, zeigten wie die böse Königin den Prinzen in ihren Kerkern gefangen hält und mit Magie Skelette zum Tanzen bringt, sowie Schneewittchen, die in einer geplanten Traumsequenz mit ihrem Prinzen in den Sternen tanzt. Auch über die Songauswahl hatte Disney das letzte Wort: Aus den 25 für den Film geschriebenen Liedern wählte er die acht aus, die im endgültigen Film vorkamen.

Die aufwendige und energische Produktion[Bearbeiten]

Vorzeichnungen für die Figur Schneewittchen. (© Disney)

Schneewittchen und die sieben Zwerge artete in ein riesiges und schweres Unterfangen aus, erst recht für ein an sich kleines Studio, dessen bisherige Produktionen nicht einmal eine zweistellige Laufzeit erreichten. Zur Spitzenzeit arbeiteten 750 Künstler am Film, darunter 32 Hauptzeichner, 102 Assistenzzeichner, 167 Inbetweeners („Zwischenphasenzeichner“), 20 Layouter, 25 Hintergrundmaler, 65 Spezialeffektzeichner und 158 ausschließlich weibliche Tuscherinnen und Koloristinnen. Unbekannt ist die Anzahl der Tontechniker und der Techniker, die im Labor nachforschten, was die perfekte Methode ist, um die Farben in der gewünschten Form auf die Leinwand zu bringen. Damals änderten sich die Farbtöne nämlich noch stark auf dem Weg von der eigentlichen Zeichnung zur Projektion im Kino. Bei dieser Forschung machten sich die experimentellen Silly Symphonies nützlich, in denen man nach Start der Schneewittchen-Produktion im Jahre 1934, auch dunklere, natürlichere Farben ausprobierte um zu testen, welche Farben angenehmer für die Zuschauer sind. Disney wurde vorher gewarnt, dass niemand 80 Minuten lang die grellen Cartoon-Farben aushalten würde.

Ein weiteres Problem war die große Anzahl der Spezialeffekte, da in einem Zeichentrickfilm alles, was sich bewegt aber keine Figur ist, als Spezialeffekt anzusehen ist: Rauch, Wasser, Wolken, Staub und ähnliches musste von der Spezialeffektabteilung bearbeitet werden. Und von solchen Effekten wimmelte es im Storyboard und auch im endgültigen Film. Das gewaltige Projekt wurde besonders von den Layoutern, Chefzeichnern, dem Storyteam und Disney selbst gestemmt, da diese jede Kamerabewegung, jeden Kamerawinkel, jede Platzierung der Beleuchtung und jede Handlung ausdiskutierten. Inspiration fanden sie auch bei damaligen Filmen (die Verfolgungsjagd zwischen den Zwergen und der Hexe etwa ist an Griffiths Spielfilm Intoleranz angelehnt) und Prominenten (der Prinz sollte wie der junge Douglas Fairbanks aussehen, Schneewittchen wie der damalige Star Janet Gaynor, das Pferd des Prinzen wie das Pferd des Westernstars Tom Mix und die Wutausbrüche der Königin entstanden nach der Studie von Charles Laughton in The Barretts of Wimpole Street, während Harpo Marx als Grundlage für Seppls Charakter diente).

Eine der ersten gemeinsamen Ideen betraf die Handlung des Films. Man entschied sich sehr früh dafür, mehr Augenmerk auf die Zwerge zu legen, als es die Gebrüder Grimm taten. Dies machte man, weil die Vergangenheit zeigte, dass lustige Nebenfiguren von Nöten sind (weshalb man auch beispielsweise dem ernsten Micky Maus die lustigen Figuren Goofy und Donald Duck gegenüberstellte).

Disney in einem Kino-Trailer zu Schneewittchen und die sieben Zwerge, 1937. (© Disney)

Um die Kreativität der Künstler und die Atmosphäre im Studio zu perfektionieren, entschied sich Walt Disney dagegen, Zeituhren zu verwenden. Weder mussten die Zeichnungen in einer bestimmten Zeitspanne angefertigt werden, noch verlangte man eine Mindestanzahl von Zeichnungen pro Tag. Die Überstunden, die freiwillig gehalten wurden, entlohnte Walt Disney mit Prämien. Viel Arbeit steckten die Künstler vor allem in den Realismus der Zeichnungen und Bewegungen im Film, denn Schneewittchen sollte ein Spielfilm werden, kein Cartoon. So kommt es zu realistischen Hintergründen und dem real aussehenden Haus der Zwerge und auch zum erstmaligen Einsatz des Rotoscope-Verfahren bei den Disney-Studios. Mit der Rotoskopierung werden vorher aufgenommene Bewegungen von Schauspielern überzeichnet, um möglichst nahe an der Realität zu bleiben. Vor allem beim Prinzen kann man erkennen, dass dieses Verfahren genutzt wurde, aber auch beispielsweise bei Schneewittchens Tänzen, die von Marge Champion vorgetanzt wurden.

Zuletzt sei über die Produktion erwähnt, dass die Disney Studios eine perfekt vorbereitete Pressekonferenz veranstalteten, was für sie eine Premiere war. Auch später wurden noch von Walt Disney Productions und dann Walt Disney Pictures (seit 1985) solche Presseveranstaltungen abgehalten, jedoch nur bei Filmen, die der Konzern selbst als besonders gut einschätzt.

Rezeption und Erfolg[Bearbeiten]

Walt Disney mit Shirley Temple und seinem Spezialoscar, 1939.

Ende 1937 war Schneewittchen und die sieben Zwerge schließlich reif fürs Kino und zur großen Galapremiere in Hollywood am 21. Dezember 1937 entschloss man sich, nur Hollywood-Prominenz (und somit kein einziges Kind) einzuladen, darunter auch viele, die „Schneewittchen“ vorab als Disney´s Folly geschimpft hatten. War Walt Disney vor der Aufführung noch so nervös, dass er bei seiner Ansprache die Namen der Zwerge vergaß, so konnte er nach der Aufführung sämtliche Nervosität vergessen: Das gesamte Theater bejubelte den Film in Standing Ovations und beglückwünschte Disney für seine bahnbrechende Leistung.

Als der Film schließlich regulär aufgeführt wurde, überschlugen sich die Kritiken in Lob. Sie feierten den Film als „perfekt“ oder „besser als ein perfekter Traum“ und sahen in ihm einen „Meilenstein der Filmgeschichte“. Auch kommerziell wurde Schneewittchen ein Erfolg: Nach sechs Monaten spielte er 2 Millionen Dollar ein und am Ende seiner ersten Laufzeit belief sich das Ergebnis sogar auf 8,5 Millionen Dollar. Somit wurde Schneewittchen zum damals erfolgreichsten Film aller Zeiten, bis er 1940 von Vom Winde verweht überholt wurde. Schneewittchen und die sieben Zwerge wurde in Nordamerika bis 1993 insgesamt 8 mal neu aufgeführt und wurde 1994 zum bestverkauften Video aller Zeiten (auch dieses Mal musste der Film jedoch kurz darauf den Titel abgeben, nun aber an einen weiteren Disney Film: 1995 wurde Der König der Löwen zum meist verkauften Video aller Zeiten) 1989 errechnete USA Today, dass Schneewittchen unter Berücksichtigung der Inflation und gestiegenen Eintrittspreisen 6 Milliarden Dollar einspielte. Noch heute gilt Schneewittchen als einer der historisch erfolgreichsten Filme, wobei die genaue Platzierung je nach Kriterien und Berechnungsweise variiert.

Das American Film Institute setzte 1997/98 Schneewittchen auf Platz 49 der 100 besten Amerikanischen Filme aller Zeiten. In einer 2007 neu veröffentlichten Liste schaffte es der Film sogar auf Platz 34.[1] In der Auflistung der „zehn bedeutensten Filme aus zehn klassischen Genres“ (10 Greatest Films in 10 Classic Genres) kam Schneewittchen auf Platz 1 der besten Zeichentrickfilme.[2]

Kontroversen[Bearbeiten]

Kontroversen über den Titel „Erster abendfüllender Zeichentrickfilm“[Bearbeiten]

Einige hartnäckige Kritiker versuchen regelmäßig, Schneewittchen den Titel des ersten abendfüllenden Zeichentrickfilms streitig zu machen. Zum einen wird regelmäßig Wladyslaw Starewiczs La Fontaines Fables erwähnt, obwohl dieser Film Puppentrickfilm verwendete, nicht Zeichentrick. Max Fleischers Einstein´s Theory of Realitivity dagegen lief knapp 40 Minuten lang, weshalb die Frage, ob er abendfüllend ist, auch eher zu bezweifeln ist. Andere Filmhistoriker berufen sich auf zwei ältere Filme aus Europa, die jedoch ohne Ton und in schwarz-weiß sein sollen. Beweisen kann dies jedoch niemand, da alle Kopien verloren sind. Letztendlich wird noch Die Abenteuer des Prinzen Achmed erwähnt, der jedoch nur aus Silhouetten besteht.

Kontroversen über Jugendschutz und Story[Bearbeiten]

Unter anderem diese Szene war Grund für die damalige Freigabe ab 16 (R-Rating). (© Disney)

Auch wenn die Resonanz überragend positiv war, so gab es auch Reaktionen, die man heute wohl nicht mehr erwarten würde. So wurde Schneewittchen als Erwachsenenfilm angesehen und in manchen Ländern wurden Eltern ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich ihre Kinder den Film, wenn überhaupt, nur in Begleitung Erwachsener ansehen sollten. In England regelten die Zensoren sogar, dass keine Kinder unter 16 Jahren den Film ohne erwachsene Begleitung sehen durften. Dies würde mit heutigen Freigaben verglichen also ein „R-Rating“ in den USA bedeuten, eine Freigabe, die bislang keine „Walt Disney Pictures“-Produktion erhielt (dafür aber Spielfilme wie Fight Club, Terminator 2 und mehrere der Nightmare on Elm Street-Filme). Da es diese Freigaben damals aber noch nicht gab und einige Jahre später die Sehgewohnheiten der Menschen schon reiften, kann sich Schneewittchen mittlerweile in den meisten Ländern mit einer Jugendfreigabe für alle Altersklassen schmücken.

Damals jedoch gab es neben der erwähnten Regelung in England auch zahlreiche Aussagen von Kinderärzten, darunter der bekannte Benjamin Spock, die warnten, dass der Film zahlreiche Albträume auslösen könne. Auch in Südafrika und den Niederlanden gab es ursprünglich bestimmte Beschränkungen, die jedoch aufgrund der Beschwerde der Bewohner dieser Länder wieder aufgehoben wurden. Diese Kritik, Disney sei zu hart und gruselig in der Erzählung der Geschichte, fand ihren Widerspruch in manchen Kritiken, die empfanden man hätte das Märchen zu sehr entschärft. So fehlen die zwei ersten Mordanschläge auf Schneewittchen und die eigentliche Bestrafung der bösen Königin aus der Vorlage.

Stab und weitere Filmangaben[Bearbeiten]

  • Länge: 79 Minuten
  • FSK: o.A.

Lieder[Bearbeiten]

US-Aufführungen[Bearbeiten]

  • 21. Dezember, 1937 (Uraufführung)
  • 8. Februar 1938 (US weiter Kinostart)
  • 22 Februar 1944
  • 13. Februar 1952
  • 7. Februar 1958
  • 11. Juni 1967
  • 20. Dezember 1975
  • 15. Juli 1983
  • 17. Juli 1987
  • 2. Juli 1993

Deutsche Synchronisation[Bearbeiten]

Es existieren drei verschiedene deutsche Synchronfassungen des Films. Die erste deutsche Fassung entstand 1938 in Amsterdam. Verhandlungen mit Disney über einen Ankauf des Films durch die deutschen Filmgesellschaften Bavaria und UFA waren zuvor, zum Teil wegen der harten Devisenbestimmungen, gescheitert. In Deutschland selbst war auch keine weitere Verbreitung möglich, wohl aber in den Niederlanden, wo der aus Deutschland geflohene Kabarettist Kurt Gerron bereits von Disney für die niederländische Synchronfassung den Auftrag bekommen hatte und sich daran anschließend auch an die deutsche Version machte, die, neben Gerron, auch etliche weitere vor dem NS-Regime geflohene Schauspieler involvierte. Dies waren etwa Hortense Raky als Schneewittchen, Dora Gerson als böse Königin oder Otto Wallburg als Chef. Kurt Gerron, Dora Gerson und Otto Wallburg fielen alle drei später der Shoah zum Opfer und wurden im KZ Auschwitz ermordet.[3] Es ist bis heute unklar, ob die 1938 entstandene Synchronfassung noch vor dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland gezeigt werden konnte. Die „Österreichische Film-Zeitung“ vermeldete die Pläne einer solchen Erstaufführung im Frühjahr[4] – dieser könnten allerdings die Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Einmarsch der Wehrmacht im März 1938 zuvorgekommen sein. Nach dem Krieg, am 25. Juni 1948 lief der Film im Atlantik-Filmverleih, der seinen Sitz in Wien hatte, erstmals regulär in Österreich an. Die bundesdeutsche Erstaufführung erfolgte erst zwei Jahre später am 24. Oktober 1950 in Köln, und zwar im Verleih der deutschen RKO, die ihren Sitz in Frankfurt am Main hatte. Die Erstsynchronisation wurde Dezember 1957 letztmalig im Verleih der Herzog Filmverleih GmbH (Sitz in München) in der BRD wiederaufgeführt.

Bisweilen wird behauptet, in der Erstfassung sei Schneewittchen von der österreichischen Schauspielerin Paula Wessely synchronisiert worden, was allerdings falsch ist. Disney nahm tatsächlich Kontakte zu Wessely bezüglich Synchronisationen auf, allerdings erst 1949 und sehr wahrscheinlich für andere Filme – wobei sie das Angebot ablehnte. Wessely hatte zudem vor dem Zweiten Weltkrieg in Bühnenfassungen von Schneewittchen die Rolle der bösen Königin übernommen, was es sehr unwahrscheinlich macht, dass jemals daran gedacht wurde, ihr die Rolle der Titelheldin zu geben.[3]

Für die Wiederaufführung des Films im November 1966, nun im Walt Disney-Filmverleih, entstand bei Simoton Film GmbH (Sitz in Berlin) die zweite Synchronisation (Buch, Dialogregie und Liedertexte von Eberhard Cronshagen; Musikalische Leitung von Heinrich Riethmüller). In dieser Fassung war Uschi Wolff die Sprechstimme, Susanne Tremper die Gesangsstimme von Schneewittchen, und die Texte dieser Fassung waren gegenüber der ersten Synchronisation deutlich modernisiert, geglättet und „kindgerechter“ gestaltet. Die dritte und bislang letzte Synchronisation entstand 1994 für die Erstveröffentlichung des Films auf VHS bei der Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke in Berlin (Regie, Buch- und Textbearbeitung von Lutz Riedel). Schneewittchens Part wurde von Manja Döring gesprochen und von Alexandra Wilcke gesungen. Der Chorgesang der Zwerge stammt noch aus der 1966er-Fassung. In anderen Teilen wurde allerdings auf die 1938er-Version zurückgegriffen, darunter bei einigen Liedtexten. Die ersten zwei Synchronisationen sind heute aus dem Verkehr gezogen und dürfen offiziell nicht mehr verwendet werden.

Rolle Originalsprecher Deutscher Sprecher (1938)[5] Deutscher Sprecher (1966)[5] Deutscher Sprecher (1994)[5]
Schneewittchen Adriana Caselotti Hortense Raky Uschi Wolff Manja Döring
Schneewittchen (Gesang) Hortense Raky/Cläre Eiselmayr Susanne Tremper Alexandra Wilcke
Die böse Königin Lucille La Verne Dora Gerson Gisela Reißmann Gisela Fritsch
Hexe Frau Stern Kerstin Sanders-Dornseif
Der Prinz Harry Stockwell Willy Stettner René Kollo Rolf Dieter Heinrich
Chef Roy Atwell Otto Wallburg Klaus W. Krause Manfred Lichtenfeld
Brummbär Pinto Colvig Kurt Lilien Karl Hellmer Roland Hemmo
Happy Otis Harlan Siegfried Arno Eduard Wandrey Gerry Wolff
Hatschi Billy Gilbert Walter Bluhm Fritz Decho
Schlafmütz Pinto Colvig Kurt Gerron Herbert Weißbach Horst Kempe
Pimpel Scotty Mattraw Erich Fiedler Heinz Fabian
Der Zauberspiegel Moroni Olsen Klaus Miedel Hermann Ebeling
Jäger Stuart Buchanan unbekannt Arnold Marquis Klaus Sonnenschein
Erzähler nicht vorhanden Heinz Petruo Friedrich Schoenfelder

Zusätzliche Informationen[Bearbeiten]

  • Schneewittchen und die sieben Zwerge ist der erste Film aller Zeiten, zu dem es ein exklusives Soundtrackalbum gab.
  • Die sieben Zwerge heißen Chef (Doc), Hatschi (Sneezy), Happy (Happy), Schlafmütz (Sleepy), Brummbär (Grumpy), Pimpl (Bashful) und Seppl (Dopey). Es wurden insgesamt 50 Namen vorgeschlagen. Laut einer Studie können 3% der Menschen die Namen aller sieben Zwerge aufzählen.
Für diesen Gag erhielt Ward Kimball 5 Dollar. (© Disney)
  • Walt Disney führte eine 5 Dollar pro Gag-Regelung ein. Jeder, der einen Gag beisteuerte, der im endgültigen Film landete erhielt dafür 5 Dollar zusätzlich. Ward Kimball erhielt so zum Beispiel 5 Dollar für die Szene, in der die Zwerge mit ihren Knubbelnasen über der Fußkante der Betten auftauchen.
  • Der Prinz wurde aus vielen Szenen herausgeschnitten, da die Zeichner ihn nur schwer animieren konnten.
  • Da Disney sämtliche potentielle Sprecher für Seppl als zu unpassend abstempelte, entschied er sich dazu, ihn einfach stumm zu machen.
  • Bei einer der ersten Aufnahmesitzungen empfand man die Stimme der bösen Königin von Lucille La Verne für unpassend. Sie verließ das Studio, kehrte kurz darauf zurück und begeisterte alle. Als sie gefragt wurde, wie sie dies machte, sagte sie, dass sie ihre dritten Zähne rausgenommen hätte.
  • Wolfgang Reitherman brauchte 9 Versuche zum Animieren des Zauberspiegels. Es funktionierte, nachdem er das Papier faltete und erst eine Hälfte des Gesichts zeichnete, dann die zweite Hälfte. Als er erfuhr, dass zahlreiche Spezialeffekte seine Zeichnungen überlagerten, war er davon sehr enttäuscht.
  • Walt Disney empfand die Wangen Schneewittchens als unnatürlich. Eine der Koloristinnen nahm ihr eigenes Rouge und trug dies auf die Cels von Schneewittchen auf. Walt Disney war von dem Ergebnis begeistert.
  • Erstaunt von der enthusiastischen Begeisterung über den Film und dem hohen kommerziellen Erfolg entschied sich die Academy of Motion Picture Arts and Sciences dazu, ihn 1939 nachträglich mit einem Oscar zu ehren. Walt Disney bekam den Ehrenoscar (eigentlich ein großer und sieben kleine symbolische Oscars) von Kinderstar Shirley Temple überreicht. Außerdem wurde Schneewittchen für den Oscar in der Kategorie Beste Musik nominiert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Offizielle Walt Disney Meisterwerke

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) • Pinocchio (1940) • Fantasia (1940) • Dumbo (1941) • Bambi (1942) • Saludos Amigos (1942) • Drei Caballeros (1944) • Make Mine Music (1946) • Fröhlich, Frei, Spaß dabei (1947) • Musik, Tanz und Rhytmus (1948) • Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte (1949) • Cinderella (1950) • Alice im Wunderland (1951) • Peter Pan (1953) • Susi und Strolch (1955) • Dornröschen (1959) • 101 Dalmatiner (1961) • Die Hexe und der Zauberer (1963) • Das Dschungelbuch (1967) • Aristocats (1970) • Robin Hood (1973) • Die vielen Abenteuer von Winnie Puuh (1977) • Bernard und Bianca (1977) • Cap und Capper (1981) • Taran und der Zauberkessel (1985) • Basil, der große Mäusedetektiv (1986) • Oliver & Co (1988) • Arielle, die Meerjungfrau (1989) • Bernard und Bianca im Känguruland (1990) • Die Schöne und das Biest (1991) • Aladdin (1992) • Der König der Löwen (1994) • Pocahontas (1995) • Der Glöckner von Notre Dame (1996) • Hercules (1997) • Mulan (1998) • Tarzan (1999) • Fantasia 2000 (1999) • Dinosaurier (2000) • Ein Königreich für ein Lama (2000) • Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt (2001) • Lilo & Stitch (2002) • Der Schatzplanet (2002) • Bärenbrüder (2003) • Die Kühe sind los (2004) • Himmel und Huhn (2005) • Triff die Robinsons (2007) • Bolt – Ein Hund für alle Fälle (2008)  Küss den Frosch (2009)  Rapunzel – Neu verföhnt (2010) • Winnie Puuh (2011) • Ralph reichts (2012) • Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013) • Baymax – Riesiges Robowabohu (2014) • Zoomania (2016) • Vaiana (2016) • Chaos im Netz (2018) • Die Eiskönigin II (2019) • Raya und der letzte Drache (2021) • Encanto (2021)