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Miramax

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Das aktuelle Miramax Logo (© Miramax)

Miramax war lange Zeit ein unabhängiges Filmstudio, gegründet von den Brüdern Bob und Harvey Weinstein. Von Ende 2005 bis zum Verkauf 2010 war Miramax ein reiner Markenname der Disney Company, ähnlich wie Touchstone und Walt Disney Pictures. Die Weinsteins verließen das Studio und gründeten eine neue Produktionsstätte, die „Weinstein Company“. Die Filme aus dem Hause Miramax spielten bis 2005 4,5 Milliarden Dollar ein und wurden mit Preisen geradezu überhäuft. Allein die Statistik zum prestigeträchtigen Oscar kann sich sehen lassen: 269 Oscar-Nominierungen, 62 gewonnene Oscars, 19 Oscar-Nominierungen für den Besten Film und 4 gewonnene Oscars für den besten Film (Stand: April 2007.) 2010 wurde Miramax von Disney abgestoßen und an eine Investorengruppe (Filmyard Holding) um Ron Tutor verkauft. 2013 verkaufte Ron Tutor seine Anteile an die Qatar Investment Authority. 2016 wurde Miramax von der Qatar Investment Authority an die beIN Media Group mit Sitz in Doha in Katar verkauft.[1]

Pre-Disney[Bearbeiten]

Gegründet wurde Miramax im Jahre 1979 in New York. Der Name des Studios entstand aus der Kombination der Vornamen von den Eltern der Weinstein Brüdern: Miriam und Max.

Das alte Logo von Miramax (© Miramax)
Damals verstand sich Miramax als der (Klein-)Verleiher für nicht-amerikanische Filme und amerikanische Independentproduktionen, die aus den verschiedensten Gründen nicht die Chance hatten kommerzielle Erfolge zu werden und deshalb von den Majorstudios abgelehnt wurden.

Unter diesen Filmen befanden sich viele Softcore-Streifen, Konzertfilme und Arthouse-Movies, vor allem aus Europa. Doch erst ab Mitte der 80er Jahre betätigte sich Miramax nicht mehr nur als Verleih-, sondern auch als Produktionsfirma. Zugleich begannen auch die erste Erfolge, mit denen Miramax für Aufsehen sorgte: Die Dokumentation Der Fall Randall Adams ermöglichte einem unschuldig zum Tode verurteilten eine Neuverhandlung und kurz darauf die Freilassung. Im Jahr darauf entstand mit Sex, Lügen & Video ein Kultfilm, der nicht nur zum größten Erfolg des Studios wurde, sondern auch zu einem der erfolgreichsten Independentfilme aller Zeiten wurde. Dies lag vor allem daran, dass die Weinsteins den Film nicht wie erwartet beim Sundance Film Festival als Nischenware verkauften sondern in wie einen Blockbuster vermarkteten. Weiteres Aufsehen erregten die Weinsteins mit Reservoir Dogs, dem ersten Quentin Tarantino Film, und dem Kunstkino-Thriller Crying Game.

Partnerschaft mit Disney[Bearbeiten]

Aufgrund des großen Erfolges der Weinstein Brüder wurde die Walt Disney Company auf Miramax aufmerksam, vor allem Jeffrey Katzenberg und Michael Eisner. Auch wenn Miramax für viele aufgrund seinen unkonventionellen, anspruchsvollen und teils sehr kontroversen Erwachsenenfilmen nicht jedem als perfekter Partner für Disney erschien, strebte Eisner eine Partnerschaft an. In seinen Augen nämlich gab es einen gemeinsamen Nenner: Den Weinsteins war das wichtigste an einem Film die Idee, die ihm zu Grunde lag.

Also kaufte die Disney Company am 30. Juni 1993 die Miramax Studios für 80 Millionen Dollar. Dies war allerdings keine Übernahme im klassischen Sinne, sondern viel mehr ein großer, wenn auch günstiger, Geschäftsdeal: Disney erhielt sämtliche Rechte an den 200 bisherigen Miramax-
Kultfilm und Überraschungshit: Pulp Fiction (© Miramax)
Filmen sowie alle zukünftigen Projekte dieses Studios. So kann Disney die Miramax-Produktionen gemeinsam mit Disney-, Touchstone- und Hollywood Pictures Filmen in so genannten Filmpaketen an Fernsehsender verkaufen und sich zudem in weitere, bislang unberührte Nischen der Filmwirtschaft vortasten. Nicht zuletzt erhoffte man sich, dass Independent-Künstler zu großen Stars entwickelt werden können, ohne dass diese das Studio wechselten. Bislang war dies nicht möglich, da Independent-Künstler entweder in dieser Nische blieben, oder aber nach ersten Genreerfolgen zu einem anderen Studio wechselten.

Diese Hoffnung erfüllte sich: M. Night Shyamalan begann seine Karriere bei Miramax und Quentin Tarantino wurde zum Kultregisseur und polierte zudem die Drehbücher zu den Actionfilmen Crimson Tide und The Rock auf.

Im Gegenzug für diese Leistungen, von denen Disney profitierte, garantierte Disney Miramax ein jährliches Produktionsbudget von bis zu 700 Millionen Dollar (sollten die Weinsteins in einen Jahr mehr Budget benötigen müsste dies wieder Miramax selbst finanzieren). Zusätzlich behielten die Weinsteins die Kontrolle über ihr Studio (welches deshalb in New York blieb), dieses wiederum behielt somit auch seine Unabhängigkeit. Aufgrund dieses Deals (der auch beinhaltete, dass Disneys Buena Vista Home Entertainment Abteilung die Video- und später DVD Veröffentlichung der Miramax Streifen ermöglichte) konnten die Weinsteins ihren Filmoutput erhöhen: Innerhalb kurzer Zeit steigerte sich die Eigenproduktion im Hause Miramax von 10% auf 40%. Kurz nach Zusammenschluss beider Studios konnten sie auch ihren ersten gemeinsamen Überraschungserfolg feiern: Pulp Fiction spielte in den Staaten über 100 Millionen Dollar ein und wurde somit der erfolgreichste Independentstreifen überhaupt. Die Einnahmen wurden allein in Europa nochmals verdoppelt und dank starker Videoverkäufe erhielt der Film Kultstatus. Bereits 1995 konnte Miramax seine Gewinnspanne verzehnfachen.

Dieser Zusammenschluss fand jedoch nicht nur Freunde: Während einige Kritiker es nur seltsam fanden, dass diese zwei so unterschiedlichen Firmen zusammenkamen, gab es auch einige erboste Reaktionen. Eine katholische Vereinigung rief sogar zum Boykott sämtlicher Disney Produkte auf. Ihre Begründung: Unter anderem Namen sei die familienfreundliche Disney Company für unsittliche, gewalt verherrlichende und unmoralische Filme verantwortlich. Erst Ende 2005 beendete diese erz-konservative Vereinigung ihren Boykott, da Disney sich von den Weinsteins trennte und bald darauf der als christliche Parabel angesehen Film Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia in den Kinos startete.

Tatsächlich definierte sich Miramax noch viele weitere Jahre lang hauptsächlich durch anspruchsvolle Dramen und gewalttätige sowie blutreiche Filme, wobei oft auch hohe Altersfreigaben aufgrund Dogengebrauch, vulgärer Sprache und Sex erreicht wurden.

Harvey (r.) und Bob (l.) Weinstein

Doch neben diesen „Markenzeichen“ der Miramax Studios entdeckten diese auch den Mainstream, oder viel mehr das, was zwar keine echter Mainstream ist, aber dennoch großes Publikum findet. Während Harvey Weinstein immer mehr Augenmerk auf das Entdecken und produzieren von möglichen Oscargewinnern legte, versuchte sich Bob Weinstein als Produzent von Genrefilmen (hauptsächlich Horror aber auch massentaugliche Franchises), was den Miramax Studios eine weitere finanzielle Grundlage bot. Auch wenn die Brüder weiterhin gemeinsam arbeiteten und jeden Film zusammen betreuten, so behielt Harvey die Topstellung bei Miramax, während Bob das Unterlabel Dimension Films stärkte. Dieses entwickelte sich von dem Markennamen, dass die Brüder für den Vertrieb asiatischer Filme verwendeten zum etwas stärker Profit orientierten Label, aus dem Publikumsschlager wie Scary Movie, Scream und Spy Kids stammen. Auch die künstlerisch weniger wertvollen Horrorfilme wurden von Miramax zu Dimension Films übertragen.

Mit der Zeit entstanden auch zunehmend teurere Produktionen wie Der englische Patient, Chicago, Shakespeare in Love,Aviator und Unterwegs nach Cold Mountain, allesamt Oscar Hoffnungen. Außerdem bildeten die Miramax eine Riege von eigenen Stammkünstlern, darunter die Autoren und Regisseure Kevin Smith und Quentin Tarantino, Allroundkünstler Robert Rodriguez und die Schauspieler Ben Affleck und Matt Damon. Letztere sorgten mit Good Will Hunting für einen typischen Miramax Vorzeigeerfolgsfilm.

Der Bruch zwischen den Weinsteins und Disney[Bearbeiten]

Sorgte für Einspielrekorde, zahlreiche Kontroversen und aufgrund Michael Eisners Boykottversuch zum Bruch zwischen Disney und den Weinsteins: Fahrenheit 9/11

Gegen Anfang des neuen Jahrtausends begann es zwischen den Weinsteins und Disney immer mehr zu kriseln: Einerseits gefiel es nicht jedem, dass Harvey Weinstein seit dem Überraschungserfolg von Der englische Patient immer mehr teure Epen produzierte, um Publikum und Preise zu gewinnen, woraufhin er die Förderung des Independentkinos vernachlässigte, zum anderen erbosten sich manche in der Geschäftsleitung über Bob Weinsteins „B-Movies“ wie Scream oder Dracula 2000. Verschlimmert wurde die Krise durch die Kontroverse um Dogma. Nach mehreren Demonstrationen und Vorverurteilungen verweigerte Disney den Film über den hauseigenen Buena Vista-Verleih an die Kinos zu bringen, woraufhin die Weinsteins diesen Film über andere Verleiher in die Kinos brachten. Außerdem blockte Eisner das Herr der Ringe-Projekt, das unter Miramax erscheinen sollte. Die Filmrechte gingen zu „New Line Cinema“ über, wobei die Weinsteins jedoch als Produzenten dabei blieben und 5% der Einnahmen erhielten.

Den endgültigen Todesstoß für die Kooperation versetzte jedoch Michael Eisner im Mai 2004. Bereits vorher gab es Streit zwischen Harvey Weinstein und Eisner (beide sind große Egomanen), doch als Eisner den Weinsteins verbat, Fahrenheit 9/11, ein Projekt für das sich die Brüder sehr engagierten, unter dem Miramax Label zu veröffentlichen. folgten monatelange harte Verhandlungen, in denen niemand nachgeben wollte.

Am 30. September 2005 verließen die Weinsteins Miramax, da sie den für einen Rückkauf geforderten Preis nicht zahlen konnten. Mit der Abfindung von 130 Millionen Dollar gründeten sie „The Weinstein Company“. Das Label Dimension Films nahmen sie mit zur neuen Firma, Miramax dagegen gehört allein der Walt Disney Company, ebenso wie die komplette Miramax/Dimension Films Filmothek. Die Franchises Sin City und Scary Movie dagegen werden partnerschaftlich von beiden Studios weitergeführt. In einigen Ländern, darunter Deutschland, übernimmt Buena Vista weiterhin den Vertrieb der künftigen Weinstein-Projekte.

Post-Weinstein[Bearbeiten]

Unter der Leitung von Daniel Battsek und Scott Rudin, der bereits mit Die Royal Tennenbaums einen Film produzierte, der von Miramax sein könnte, soll Miramax in den nächsten Jahren, mit Ausnahme der bereits existenten Franchises, verstärkt zum Independentkino zurückkehren. Um dies zu erreichen, wurde Miramax nun in Los Angeles stationiert, wo Disney das Studio besser kontrllieren kann, und das Jahresbudget gekürzt. Trotz der Budgetkürzung wird Miramax die Produktion der erfolgreichen und beliebten C.S.I.-Fernsehserien fortführen.

Für einschließlich 2008 wurden mehrere kleinere Filmproduktionen angekündigt sowie eine Fortsetzung von Sin City und ein möglicher neuer Teil der Scary Movie-Reihe. Ansonsten ist die Zukunft von Miramax sowie den Labeln Touchstone Pictures und Hollywood Pictures eher ungewiss. Juli 2006 wurden aufgrund der in den letzten Jahren zahlreichen Misserfolge bei diesen Studios und den dafür immer häufiger werdenden Erfolge für Walt Disney Pictures angekündigt, dass man in Erwägung zieht nur noch 8 Filme pro Jahr zu produzieren. Diese sollen alle unter dem Disney-Namen laufen.

Mittlerweile ist man von diesem Plan abgewichen und plant, ab 2008 nur bis zu 3 Touchstone Pictures Produktionen pro Jahr ins Kino zu bringen. Die restlichen ca. 14 Filme im Jahr sollen von Walt Disney Pictures und Miramax Films stammen.

Am 29. Januar 2010 wurde bekannt, dass Miramax geschlossen werden soll und sämtliche Mitarbeiter gekündigt werden sollen. Die restlichen sechs Produktionen werden im Laufe der nächsten zwei Jahre veröffentlicht.

2010 wurde Miramax schließlich von Disney abgestoßen und für rund 640 Millionen US-Dollar an eine Investorengruppe namens Filmyard Holding, der auch Ron Tutor angehörte, verkauft. Bedingt durch diesen Verkauf verlagerte Disney einige seiner Filme zu Touchstone Pictures, beispielsweise The Tempest – Der Sturm und Gnomeo und Julia[1].

2013 verkaufte Ron Tutor seine Anteile an die Qatar Investment Authority. 2016 wurde Miramax von der Qatar Investment Authority an die beIN Media Group mit Sitz in Doha im Emirat Katar verkauft[1].

Links[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Wikipedia-Artikel „Miramax“, abgerufen am: 08.05.2018