Herr Fatzke und die Eierdiebe

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Herr Fatzke und die Eierdiebe
Micky gegen Ratzo
Mr. Slicker and the Egg Robbers
Erstveröffentlichung: 22.09.1930–29.12.1930
Entstehungsdatum: 1930
Storycode: YM 003
Story: Floyd Gottfredson
Zeichnungen: Earl Duvall, Floyd Gottfredson
Tusche:

Earl Duvall, Floyd Gottfredson & Hardie Gramatky

Seiten: 85 Tagesstrips, 28 ⅓ Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Gerd Syllwasschy in der FGL
Deutsche Erstveröffentlichung: Mickys Klassiker 2
Weiterführendes

link= YM 003 Infos zu Herr Fatzke und die Eierdiebe beim Inducks

Herr Fatzke und die Eierdiebe (engl. Mr. Slicker and the Egg Robbers, auf Deutsch auch Micky gegen Ratzo) ist eine Comicgeschichte von Floyd Gottfredson (Story, Teile der Bleistiftzeichnungen und Teile der Tuschierung), Earl Duvall (Teile der Bleistiftzeichnungen und Teile der Tuschierung) und Hardie Gramatky (Teile der Tuschierung). Die Erstveröffentlichung erfolgte als Comicstrip in amerikanischen Tageszeitungen. In der Geschichte geht es um einen Konkurrenzkampf zwischen Herrn Fatzke und Micky, die beide Minnie beweisen wollen, dass sie sie lieben. Des Weiteren feiern zahlreiche Personen in dieser Geschichte ihr Debüt: Herr und Frau Maus (Minnies Eltern), Herr Fatzke und Dicker.

Die Eier sind wieder da! (© Egmont Ehapa)

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Durch ein Schwein auf seinem Hof, das gerne einen Ball in einen Eimer schießt, kommt Micky auf die Idee, einen Minigolfplatz zu eröffnen. Mithilfe der zahlreichen Farmtiere macht er sich sofort an die Arbeit. Wenig später sind die Bahnen errichtet und die Besucher strömen in Scharen herbei. Doch es stellt sich heraus: Die Bahnen sind zu einfach! Also muss Micky den Schwierigkeitsgrad deutlich heraufschrauben. Später ist auch Mickys Freundin Minnie da. Micky soll ihr zeigen, wie man abschlägt, doch jemand anders kommt ihm zuvor: Ein Mann, der sogleich einen teufelsguten Schlag hinlegt – und das als „normal“ ausgibt. Es handelt sich um niemand anders als Herr Fatzke! Beim Essen mit dem beiden Mäusen erschleicht er sich Minnies Vertrauen und sticht Micky aus. Mit der Zeit versucht er, Minnie von ihrem Verlobten abzubringen – durch Geschenke oder cleveres Ausnutzen der jeweiligen Lage. Er lässt es schließlich sogar soweit kommen, dass Micky Selbstmord plant! Zwar lässt sich Micky nicht von seinen Plänen abbringen, zugleich aber wird er immer wieder daran gehindert, es zu vollenden. Beim Selbstschuss wird er von der Kuckucksuhr gestört, beim Springen von der Brücke landet er auf einem Schiff. Weitere Attacken schlagen ebenfalls fehl.

Micky eröffnet eine Minigolfbahn. (© Egmont Ehapa)

Währenddessen auf der Farm von Minnies Vater: Eigentlich sollten seine achthundert Legehennen wie jeden Tag zahlreiche Eier zu bieten haben, aber heute findet sich kein einziges! Das Problem kommt ungelegen, denn die Mausens haben Rechnungen und Raten zu bezahlen und auch das Haus ist belastet. Sollten sie am Monatsende nicht genug Geld haben, droht ihnen, alles zu verlieren...

Bei Micky auf dem Golfplatz will ein Affe eine Runde spielen und fragt nach dem Preis. Micky verlangt einen halben Dollar. Da reißt der Kunde einfach den Schein durch; Micky muss ihm erklären, dass der Schein so wertlos ist – der Affe entscheidet sich, zwei Runden zu nehmen. Auf der Farm spitzt sich die Situation weiter zu: Einmal hat Herr Maus noch Eier finden können, seitdem bleibt jede Spur von ihnen weg. Dabei wären sie jetzt dringend notwendig, denn die Ernte fällt dieses Jahr schlecht aus! Herr Maus beschließt, den Weg zum Hühnerstall zu fegen, damit Fußabdrücke möglicher Eierdiebe sichtbar werden. Auch das Angebot eines gewissen Herrn Fatzke löst Erstaunen aus: Er würde die Mausens finanziell unterstützen, wenn er Minnie heiraten dürfte! Dafür müssten aber sowohl Vater als auch Tochter einverstanden sein. Als Minnie von ihrem Vater hört, wie ernst die Lage ist, will sie, anstatt Fatzke zu heiraten, ihr Geld und das ihres Onkels Mortimer von der Bank abheben. So wären die Mausens vor dem Ruin gerettet!

Am Ende sitzen alle beisammen am Tisch... (© Egmont Ehapa)

Doch es kommt anders als ausgemalt, denn ausgerechnet in dieser Nacht wird die Bank überfallen, bei der Minnie und ihr Onkel das Geld angelegt hatten. Das Angebot des Herrn Fatzke ist allerdings immer noch verlockend, denn er hat sein Geld in der Innenstadt-Bank aufgehoben, die nicht ausgeraubt wurde... Nach langem Hin- und Herreißen entscheidet sich Minnie, Fatzke das Jawort zu geben; anders kann sie es nicht mehr aushalten. Micky fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln und rückt sich dabei in ein so schlechtes Licht, dass er am Ende auf der Flucht vor der Polizei ist. Schließlich findet er, nach langer Detektivarbeit, Zugang zu der Bande, die die Eier stiehlt – und der Boss ist ein Herr Fatzke!

Micky bringt die Handlanger des Betrügers auf diesen auf und schreitet im letzten Moment ein, als die endgültige Verehelichung nur noch wenige Sekunden entfernt war. Nur durch den zerrissenen Schein, der offensichtlich von der Bank geraubt wurde und mit dem Fatzke später etwas bezahlt hat, ist Micky alles klar geworden. Der Fall ist gelöst und die alten Verhältnisse sind wiederhergestellt!

Fatzke dreht krumme Dinger... (© Egmont Ehapa)

Hintergrund[Bearbeiten]

In der amerikanischen Folklore wurde das Leben auf dem Land und später in der Kleinstadt zum Garten Ede verklärt, frei von der Korruption, die damals in den Metropolen herrschte. Balduin Beutelschneider stand in Micky Maus im Tal des Todes als Rechtsverdreher für all das, was in der Nation falsch lief. Damit bot er für jeden eine leicht verständliche Bedrohung. Diese Geschichte, die erste, die Floyd Gottfredson im Alleingang gestaltete, handelt abermals von einer wirtschaftlichen Bedrohung. Herr Fatzke und die Eierdiebe zeigt deutlich, dass der Feind jemand aus einer Großstadt ist, was bei Beutelschneider in der vorangegangenen Stripgeschichte nur angedeutet wurde: Fatzke (im Original Mr. Slicker) schafft es, mit seiner Weltgewandtheit Minnie den Kopf zu verdrehen und ihren Vater gleichzeitig fast in den Ruin zu stürzen. Erneut entsteht die Dynamik aus der Weltwirtschaftskrise und der Betrüger wird dafür verantwortlich gemacht. Indem Micky seinen Rivalen besiegt, rettet er Minnie vor einem Schicksal das schlimmer ist als der Tod und sorgt dafür, dass der Wohlstand zurückkehrt, was beim Leser damals ein positives Gefühl hinterließ.[1]

In der Geschichte wechselt der Handlungsort von einer ländlichen Umgebung in eine Kleinstadt, in der Micky das gesamte kommende Jahrzehnt verbringen wird. In dieser Kleinstadtumgebung konnten Geschichten mit mehr Anspruch und Abwechslungsreichtum spielen. In Herr Fatzke und die Eierdiebe nimmt Gottfredson zum ersten Mal zwei Motive auf, die auch in einigen seiner künftigen Werke bestimmend sein werden: Das Verbrechen und den dahinterstehenden geheimnisvollen meisterhaften Verbrecher.[1]

Micky will sein Ende besiegeln. (© Egmont Ehapa)

Gleichzeitig zeigt die Geschichte auch Gottfredsons Experimentierfreude. Das Abenteuer Micky Maus im Tal des Todes war eine Mischung aus Horrorgeschichte und Western. Hier gibt es eine Mixtur aus Romanze und Krimi. Außerdem findet Gottfredson zunehmend die richtige Balance zwischen den Stilmitteln: Humor und Spannungsaufbau, die beide für eine gute Micky-Geschichte der damaligen Zeit notwendig sind. Dosiert man eins der beiden zu stark, verschreckt man die Leserschaft und stört den Fluss der Geschichte.[1]

Anfang der 1930er, in der Zeit, als die ersten Disney-Comics entstanden, war das Thema Tod noch omnipräsent. In Geschichten wie Micky auf der geheimnisvollen Insel und Die Jagd nach dem Phantom konfrontieren die Macher Micky mehrmals mit Kannibalen, gefährlichen Tieren oder ernsthaften Gegenspielern, die nicht mal vor direktem Mord zurückschreckten. In Herr Fatzke und die Eierdiebe will Micky allerdings Selbstmord begehen, ausgelöst durch den Liebeskummer, weil Fatzke seine Freundin und Verlobte Minnie abwirbt. Die Verzweiflung ist so groß in Micky, dass er keinen anderen Ausweg mehr sieht. Carl Barks, der ab den 1940ern begann, Comics zu zeichnen, sagte später: „Die Charaktere mussten in Todesgefahr sein, um in einer Geschichte Spannung zu erzeugen; sie mussten in wirklicher Gefahr sein.“[2] Todesszenen sind in den Comics der damaligen Zeit also häufig zu beobachten, da sie ein hervorragendes Spannungsbild boten. Mickys Selbstmordversuche in dieser Geschichte schlagen am Ende aber fehl, weil er durch andere davon abgehalten wird.

Trivia[Bearbeiten]

  • Der liebeskranke Micky, der seinem Leben ein Ende setzen will, ist, als er sich von der Brücke stürzt und auf einem Schiff landet, vom Film inspiriert worden. Die gleiche Szene gab es etwa in Lloyds Haunted Spooks von 1920.[3]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Thomas Andrae: Von Mäusen und Menschen. Floyd Gottfredson Library 1, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 14–15
  2. Carl Barks: Interview mit Donald Ault, Thomas Andrae und Stephen Gong. In: Carl Barks Conversations, S. 103f.
  3. David Gerstein: Scheichs und Liebhaber. Floyd Gottfredson Library 1, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 72.