Lösegeld für Minnie

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Lösegeld für Minnie
Micky beim Camping
Mickey Mouse and the Gypsies
Erstveröffentlichung: 20.07.1931–07.11.1931
Entstehungsdatum: 1931
Storycode: YM 010
Story: Floyd Gottfredson
Zeichnungen: Floyd Gottfredson
Tusche:

Al Taliaferro

Seiten: 96 Tagesstrips, 32 Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Gerd Syllwasschy in der FGL
Deutsche Erstveröffentlichung: Mickys Klassiker 3
Weiterführendes
Liste der Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson

link= YM 010 Infos zu Lösegeld für Minnie

beim Inducks
Die feine Gesellschaft

Lösegeld für Minnie (engl. Mickey Mouse and the Gypsies, auf Deutsch auch Micky bim Camping) ist eine von Floyd Gottfredson getextete und gezeichnete sowie von Al Taliaferro getuschte Comicgeschichte aus dem Jahr 1931. Micky fährt mit Minnie, Rudi und Klarabella am einem Bergsee campen. Während des Ausflugs wird Minnie entführt und die restlichen drei haben alle Mühe, sie zu befreien, ohne das Lösegeld zu zahlen.

Fürchterliche Nachricht! (© Egmont Ehapa)

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Micky schlendert bei seinen Nachbarn vorbei, Rudi Ross und Klarabella Kuh. Die würden gerne mit ihm und Minnie campen fahren. Nur herrscht noch Uneinigkeit darüber, wohin es gehen soll. Rudi möchte ins Gebirge, Klarabella unbedingt ans Meer. Zwischen den beiden tobt ein heftiger Überzeugungsstreit, der am Ende für beide gut ausgeht: Es geht an einen Gebirgssee. Micky und Rudi machen das Auto startklar und Minnie und Klarabella bereiten Eingemachtes vor. Die Reise startet schon am nächsten Tag. Pluto, Mickys neuer und cleverer Hund, kommt auch mit. Nach einiger Fahrerei und kleineren Zwischenfällen ist das Ziel der Begierde erreicht: Ein See mitten im Gebirge. Die vier bauen ihre Zelte auf. Am nächsten Morgen wird direkt im kühlen Wasser gebadet – nur Klarabella ist vorsichtig und schüttet das Wasser lieber in eine Wanne um, weil es im See noch mit Schlamm aufgewühlt war. Für eine weitere Unternehmung holen Rudi und Micky ein Boot. Ergänzt mit einigen weiteren Schwimmgefäßen ergibt sich daraus eine kleine Flottille, aber alle haben einen Platz und es gibt genügend Proviant auf dem Wasser. Die Campinggruppe genießt ihre Tage am See. Regelmäßig setzen Micky, Minnie, Rudi, Klarabella und Pluto zu einer anderen Seite des Sees über, wo man wunderbar picknicken kann.

Die Königin steckt hinter der Entführung... (© Egmont Ehapa)

Durch Bären, die sich zu ihrem Lager schleichen, werden sie auf Zigeuner[1] aufmerksam, die ihnen schon bald Schmuck und Horoskope anbieten. Die vier werden zu einem Tanzabend eingeladen, der voller neuer kultureller Entdeckungen steckt. Klarabella und Minnie lassen sich die Zukunft sagen, Rudi hingegen möchte den Kurs der Vereinigten Droschkenbetriebe der nächsten Zeit in Erfahrung bringen. Rudi und Micky gehen an einem weiteren Tag auf Bärenjagd; auch wenn sie das eigentlich gar nicht dürften, denn es handelt sich um ein Wildschutzgebiet, wie sich dann wegen eines Parkwächters zeigt. Klarabella schwärmt beim Auslesen ihrer Hand über Minnie, die ja erst neulich eine reiche Erbschaft gemacht[2] und einen steinreichen Onkel hat, der sie um alles in der Welt liebt. Das findet die Anführerin des Zigeunerstammes, gleichzeitig auch Schamanin, sehr interessant. Damit Minnie ihre Zukunft erfährt, soll sie sich nachts, wenn der Mond aufgeht, zum alten Baum mit dem Loch am See begeben und über einen Spiegel in den Mond gucken. Aber es darf niemand davon erfahren, denn dann wäre alles zunichte...

Minnie folgt den Anweisungen und begibt sich zum Baum. Kurz darauf hört Micky beim Lager einen Schrei. Er macht die anderen darauf aufmerksam, doch die wollen ihm erst nicht glauben. Als dann ein zweiter Schrei ertönt, greift Micky nach einer Axt. Im selben Moment huscht über ihn ein Messer mit einem Zettel in den nächsten Baum. Es wird verlangt, 5.000 Dollar für Minnies Befreiung aufzubringen. Das lassen Rudi und Micky nicht auf sich sitzen. Sie suchen die Gegend ab und werden auf die Zigeuner aufmerksam. Doch die scheinen sie nicht zu haben, denn in ihrem Lager ist Minnie nicht. Weil die drei aber unmöglich das Lösegeld bezahlen können, machen sie den Kidnappern ein Angebot: Ihr ganzes Hab und Gut, inklusive Rudis neuem Automobil, gegen Minnie.

Die Flottille, die neue Art, zu reisen? (© Egmont Ehapa)

Aber prompt kommt ein Zettel zurück: Diesen Schrott wollen die Gangster nicht – nur die $ 5.000 können sie dazu bringen, Mickys Verlobte freizulassen. Micky und Rudi machen sich getrennt auf die Suche, während Klarabella im Lager bleibt. Das Geld soll eigentlich Onkel Mortimer herschaffen, aber der ist nicht zu erreichen, weil er gerade auf einer Auslandsreise unterwegs ist. Pluto nimmt, auch in eigenständiger Suche, eine Fährte auf und folgt ihr. Er kommt bei einer Wassermühle an und steigt in die Hütte ein – auch wenn er eigentlich nur ein Kaninchen verfolgt hat – und wird gefesselt. Die Zeit verstreicht und es wird ausgeknobelt, wer Minnie erledigen soll. Dann ist es soweit und der grausame Akt wird vorbereitet.

Der Mörder hat seine Freude! (© Egmont Ehapa)

Doch Pluto verhindert das Schlimmste, denn er kommt frei und kann um Hilfe jaulen. Micky hört die Rufe seines Hundes. Sofort eilt er zur Mühle. In der Mühle wird Minnie auf einen Schleifstein gespannt. Von oben soll dann die zweite Hälfte herabgesenkt und Minnie zermahlen werden; schön langsam, damit auch der Mörder seinen Spaß hat. In einem wilden Kampf zeigen es erst Minnie und Micky und dann Rudi und Micky den Gaunern. Und die Anführerin ist: die Zigeunerkönigin! Aber die drei sind so stark, dass sie es mit den zahlreichen Gegnern aufnehmen und am Ende, mit ein paar Lappalien, unbeschadet nach Hause zurückkehren.

Hintergrund[Bearbeiten]

Heutzutage hat die Romakultur keinen so starken Einfluss mehr als vor und zu der Zeit, in der diese Geschichte entstand. Wie J. G. Bertram mit „Böhmen ist unendlich“ deklariert, stellt er die Roma, eine Völkergruppe, als Leute mit implizierter Macht – dargestellt durch die Metapher der ausstreckenden Arme – weitab von der Realität nach. Die Roma, von den britischen Romanichals, bis zu den europäischen Kalderasch, waren zu wenig vereint, um irgendwo größere politische Bedeutung zu erlangen. Stattdessen wurden sie kleingehalten und zu Bittstellern degradiert, was zu einem Teufelskreis des sozialen Abstiegs führte, befeuert durch die Vorurteile der nordamerikanischen und europäischen städtischen Gesellschaft. Dort kam das Bild der bedürftigen, romantisch verklärten und leicht rätselhaften Hinterwäldler auf; und wie allem Unerklärlichen sprach die westliche Welt auch den Roma mehr Einfluss zu, als sie tatsächlich hatten. Aus diesen Missverständnissen entstanden popkulturelle Artefakte, die sich eigentlich widersprechen mussten. Einmal wurden Roma als altmodisch, rückständig und isoliert dargestellt, zu anderer Zeit jedoch als vereint und machtvoll, und der Erzähler der jeweiligen Geschichte passte sie seinen Bedürfnissen an, sodass sie mal den echten Roma und mal zänkischen Familienclans wie den Hatfields und McCoys ähnelten, die in den 1880ern im Mittleren Westen der USA eine blutige Familienfehde ausgefochten hatten. In manchen Geschichten waren Roma Gegenspieler, die das ahnungslose Stadtvolk in durchtriebene Entführungsgeschichten verwickelten, ein anderes mal waren sie Helden, deren vermeintlich bodenständiger Lebenswandel – „das Leben, das wir alle gern führen würden“, wie es in der klassischen Operette The Bohemian Girl heißt – im 19. Jahrhundert zur naturverbundenen Gegenkultur hochstilisiert wurde.[3]

Solche Bilder wären heute nicht mehr zulässig. (© Egmont Ehapa)

Floyd Gottfredson scheint in Lösegeld für Minnie beides versucht zu haben. Die darin vorkommenden Roma haben zwielichtige betrügerische Anführer, doch alle übrigen sind lediglich sorglose, hinterwäldlerische Mitteleuropäer – bis die Handlung eine dramatische Wendung braucht und ein Großteil der Gruppe sich auf wenig nachvollziehbare Weise als genauso blutrünstig wie ihre Königin entpuppt. Im Nachhinein scheint Gottfredson mit den melodramatischen Anklängen in der Geschichte nicht allzu glücklich gewesen zu sein. Er zeigt recht schnell und deutlich auf, dass sich einige aus der Gruppe der dunklen Seite ihrer Verwandten unwohl fühlen; und als Micky schließlich gegen den Clan kämpfen muss, gelingt es ihm ziemlich problemlos, die ganze aus Dutzenden von Personen bestehende Familie zu bezwingen. In einer progressiveren Zeit oder einer anspruchsvolleren Geschichte wäre es möglich gewesen, dass der Roma-Clan durchgängig auf Mickys Seite gestanden hätte, vielleicht, um gemeinsam einer realistischer wirkenden dritten Partei gegenüberzutreten. Im Jahr 1931 war Gottfredson allerdings noch in der Findungsphase, weshalb die Geschichte als noch nicht soweit entwickelt betrachtet werden sollte.[3]

Ein weiteres Relikt der damaligen Zeit ist die Swastika, die auf der Kleidung der Roma zu sehen ist. Bis die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen und die Form als ihr Symbol galt, war sie außerhalb Deutschlands noch harmloses Stammessymbol.[3]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Korrekt wäre eigentlich die Bezeichnung Roma. Es handelt sich um eine Völkergruppe, die bis heute diskriminiert und ausgegrenzt wird. Die Geschichte will sich aber an die ursprüngliche Version halten und so werden die Roma hier mit dem früheren Begriff Zigeuner übersetzt.
  2. In Micky Maus im Tal des Todes sollte Minnie eine Goldmine mit weiteren Besitztümern und Geld erben. Letztlich stellte sich aber heraus, dass der Erblasser, Onkel Mortimer, noch lebt, womit die Erbschaft spätestens in der nächsten Geschichte hinfällig gewesen wäre. Die Angabe in dieser Geschichte ist so also nicht ganz korrekt.
  3. 3,0 3,1 3,2 David Gerstein: Gebirge oder Meer? Floyd Gottfredson Library 1, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 168.