Wudu-Hudu-Zauber

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Wudu-Hudu-Zauber
Voodoo Hoodoo
Erstveröffentlichung: August 1949
Entstehungsdatum: März 1949
Storycode: W OS 238-02
Story: Carl Barks
Zeichnungen: Carl Barks
Seiten: 32
Deutsche Übersetzung: Dr. Erika Fuchs
Deutsche Erstveröffentlichung: Ich Donald Duck 1
Weiterführendes

link= W OS 238-02 Infos zu Wudu-Hudu-Zauber beim Inducks

Von Barks gezeichnetes Cover des Four-Color-Hefts (© Disney)

Wudu-Hudu-Zauber oder Ein Zombie geht durch die Stadt (im Original: Voodoo Hoodoo) ist eine von Carl Barks gezeichnete Comicgeschichte aus dem Jahr 1949.

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

In Entenhausen geht ein Zombie um, alle Entenhausener sind entsetzt. Nur Donald hält nichts von dem Gerücht, bis er zufällig über den Zombie stolpert und von ihm eine Puppe in die Hand gedrückt bekommt. Als die Neffen ihn darum bitten, drückt er auf den Bauch der Puppe, wobei ihn ein Dorn sticht und eine Schrumpflösung injiziert. Dagobert besucht den todkranken Donald und berichtet ihm und den Neffen, dass der Zombie ursprünglich auf ihn, Dagobert, angesetzt worden war, da er in seiner Jugend den Stamm der Zudas von ihrem Land verjagte.
Am nächsten Morgen steht der Zombie, den die Kinder kurzerhand Bombie nennen, vor Donalds Bett. Donald beschließt nach Afrika zu fahren und lässt sich das Geld dafür von Dagobert geben. Die Kinder sind traurig, weil sie nicht mitkommen können. Bombie gewinnt allerdings bei einem Fernsehquiz einen Haufen Geld, weil er die unsinnigen Fragen des Moderators richtig beantworten kann (durch Schweigen und Zittern des Nasenringes). Dadurch können Bombie, Tick, Trick und Track Donald nachreisen.
In Afrika gelangen die Ducks zum „Wudu-Dorf“, wo sie Professor Obeliskoff treffen, der vom Medizinmann Fuda geschrumpft wurde. In der Höhle des Medizinmanns kann Donald Fuda davon überzeugen, dass er nicht Dagobert ist. Die Kinder wollen den Medizinmann dafür bezahlen, dass er den „Hudu“ „dewudusiert“ und er verrät, dass das Gift längst seine Wirkung verloren hat. Als Donald aber nebenbei erwähnt, dass er Dagoberts Neffe ist, packen ihn Fudas Männer erneut, da auch Verwandte für Verbrechen haften, und Fuda braut eine neue Schrumpflösung. Mithilfe von an die Füße gebundenen Gummimatten können die Kinder die Dorfzäune überwinden und Donald befreien. Bombie, ebenfalls mit Gummimatten an den Füßen, springt auf die nachfolgenden Verfolger und kann den Ducks die Flucht ermöglichen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Bild, das Barks zur Kreation von Bombie inspirierte (© The Hearst Foundation)

Barks hatte bereits längere Zeit Zeitungsartikel über den Voodoo-Kult in Haiti mitverfolgt und die vage Idee entwickelt, daraus eine Geschichte in Anlehnung an das Horror-Genre zu machen. Endgültig inspiriert wurde er aber durch den Film White Zombie von 1932 mit Bela Lugosi in der Hauptrolle. In diesem Film benutzte Lugosi als skrupelloser Mühlenbesitzer Zombies, um das Mahlwerk in Gang zu halten. Barks erinnert sich: „Alle paar Sekunden verlor ein Zombie seinen Halt, fiel in das Ma[h]lwerk und wurde zu Hackfleisch zerkleinert, ohne daß auch nur ein Tropfen Blut zu sehen war. Ich war überzeugt, daß Zombies nichts fühlten, und ich sah sie plötzlich als ideale Helfer für Leute, die für gefährliche Jobs billige Arbeitskräfte brauchten.“[1] Den Ausgangspunkt für seine Darstellung des Zombies Bombie bildete eine Illustration im Artikel I Met A Zombie aus der Zeitschrift The American Weekly. Der dargestellte Zombie war jedoch viel zu unheimlich, um in Barks' Geschichte verwendet werden zu können, und er gab seiner Neukreation ein zerlumptes, verzweifeltes Aussehen.[1] Es existieren einige Skizzen von Barks, die die Entstehung der Figur illustrieren und somit ein gutes Beispiel dafür geben, wie Barks seine Geschichten schrieb.

Hintergrund[Bearbeiten]

Voodoo[Bearbeiten]

Voodoo ist eine Religion, die ursprünglich in Westafrika beheimatet war, aber im Zuge des Sklavenhandels in die Karibik gebracht wurde. Dort nahmen die westafrikanischen Sklaven auch Elemente lokaler, indianischer Kulte sowie viele aus dem Christentum auf. Voodoo ist bis heute besonders in Haiti verbreitet. Kernstück der Religion ist, dass es einen allmächtigen Gott gibt, der jedoch nicht direkt ansprechbar ist. Stattdessen gibt es Geistwesen als Mittler, die Loa, die von Priestern angerufen werden. Voodoo steht schon seit langer Zeit in der Kritik wegen diverser Bräuche, häufig handelt es sich aber um überzogene Darstellungen. So gibt es zwar einen Totenkult, Menschenopfer werden aber nicht praktiziert. Voodoo-Puppen, Puppen mit der Gestalt eines Menschen, gibt es zwar, sie werden jedoch in den seltensten Fällen für Schadzauber, die Schmerzen zufügen sollen, verwendet. Meist versucht der Priester durch die Puppen den Menschen zu heilen. Schrumpfzauber, wie in dieser Geschichte, sind im Voodoo nicht üblich, das Einschrumpeln von Feinden war aber Praxis der südamerikanischen Kopfjäger, die Schrumpfköpfe herstellten.

Zombies[Bearbeiten]

Zombies entstammen ebenfalls westafrikanischen Traditionen, wonach Menschen nach ihrem Tod als Untote zurückkommen und sich für erlittenes Unrecht rächen wollen. Auch der Glaube an Zombies wurde nach Haiti transferiert und floss wohl in Spielarten des Voodoos ein, ohne dass allerdings die meisten Voodoo-Priester sie in ihre kultischen Praktiken inkludiert hätten. Im Zuge der amerikanischen Kolonialbesatzung Haitis gelangten Vorstellungen des Voodoos und der Zombies in die USA, wo sie vom Horrorfilmsegment aufgenommen wurden. Die amerikanische Herangehensweise an diese Kulturelemente war allerdings von Unverständnis und Abwertung als „barbarische“ Bräuche geprägt.

Thematik[Bearbeiten]

Rassismus[Bearbeiten]

Skizzen für Bombie, die den Entstehungsprozess der Geschichte vor Augen führen

Barks greift in diesem Comic die „Rassenproblematik“ auf, die im damaligen Amerika ein Tabuthema war. In den Südstaaten war bis in die 1960er die Rassentrennung gesetzlich vorgeschrieben, Schwarze durften sich nicht an Plätzen aufhalten, die für Weiße bestimmt waren. In Wudu-Hudu-Zauber zeigt Barks allerdings bereits auf der ersten Seite einen schwarzen Musiker, der in Entenhausen wohnt. Mit dieser Darstellung emanzipierte sich Barks von der gesellschaftlichen Konvention, Schwarze nicht darzustellen, und schon gar nicht im Kontakt mit Weißen wie Donald. Andererseits stuft Barks damit automatisch Donald auf eine niedrige soziale Stufe hinab, denn arrivierte Weiße wie die versnobbten Damen pflegten keine Freundschaften mit Jazz-Musikern. In den Zehnseitern hatte Barks Donald bereits als Angehörigen der Unterschicht portraitiert, der wie so viele andere Amerikaner einfachen Gelegenheitsjobs nachgeht und kaum Geld in der Tasche hat. Barks lässt die versnobbte Dame ebenso Stereotype über Bombie wie über Donald verbreiten. Der Zombie soll ihrer Meinung nach eingesperrt werden, obwohl er noch gar kein Verbrechen begangen hat und Donalds Schicksal kommentiert sie auf Englisch folgendermaßen: „He hasn’t far to go! He was already solid from the neck up!“ (auf Deutsch: „Er muss nicht weit gehen! Er war bereits eine taube Nuss!“). Donald und Bombie sind daher Opfer von Intoleranz.[2]

Verknüpfungen von rassistischer Abwertung von Schwarzen – für die Bombie hier steht – und Angehörigen der Unterschicht waren im 19. Jahrhundert in rechten Diskursen üblich. Arbeitern und Schwarzen wurde in gleichem Maße weniger Intelligenz zugeschrieben und lediglich eine Befähigung zu schwerer körperlicher Arbeit zugestanden. Barks greift in der Geschichte also sowohl den Rassismus gegenüber Schwarzen als auch die Abwertung der Unterschicht auf.

Trotz aller Sympathie, die aus Barks' Comic für das schwere Los der Schwarzen spricht, muss dennoch angemerkt werden, dass auch Barks einige Klischees reproduzierte. So hat Bombie eine große Nase und volle Lippen und entspricht damit dem Klischeebild eines Schwarzen. Fuda hat spitze Zähne und erzeugt damit den Eindruck eines Kannibalen. Die Afrikaner werden als kaufbar dargestellt.

Imperialismus[Bearbeiten]

Mit dieser Geschichte beginnt Barks sich mit der imperialen Vergangenheit der europäischen Mächte, insbesondere aber auch den USA, auseinanderzusetzen. Auch diese Thematik unterlag in den USA einem gesamtgesellschaftlichen Tabu, welches die Verstrickungen der USA in den Imperialismus leugnete. Indem Barks aber Dagobert vorführt, wie er in imperialer Manier sein Vermögen in Afrika ergaunert, rückt er den Imperialismus Amerikas ins Blickfeld. Da sich die Initialen Onkel Dagoberts im Englischen mit der Länderabkürzung decken (Uncle Scrooge – United States), liegt dieser Vergleich zumindest für den Leser auf der Hand. Die Erwähnung einer Gummiplantage passt insofern gut ins Bild, weil der Imperialismus die Ausbeutung von Ressourcen bedeutete und Gummiplantagen in Afrika damals von vielen Kolonialherren angelegt wurden.

Da Barks in seiner Geschichte die negativen Meinungen der amerikanischen Kultur zu Zombies und – in viel geringerem Maße – zu Voodoo relativiert, setzt er sich (wohl unbewusst) auch mit der kolonialen Vergangenheit der Amerikaner in Haiti auseinander, die das negative Bild von Voodoo geprägt hat. Haiti war der erste unabhängige Staat Mittel- und Südamerikas und der erste moderne Staat, der von Schwarzen geführt wurde. Bald nach der Unabhängigkeit griffen allerdings die USA ein und kontrollierten das Land knapp 100 Jahre mit einer Marionettenregierung, während sie die lokale Bevölkerung ausbeuteten.[2]

Gefahr und Angst[Bearbeiten]

Zwar suggeriert der Comic zunächst, dass die Gefahr wie in Horrorfilmen vom umherwandernden Zombie und der Voodoopuppe in seiner Hand ausgeht. Bald wird aber klar, dass Bombie nur ein ausgebeuteter, willenloser Befehlsempfänger ist und gemeinsam mit Tick, Trick und Track empfindet der Leser Mitleid. In Fudas Dorf erfahren die Ducks endlich, dass das Schrumpfelxier schon längst seine Zauberkraft verloren hat. Die vermeintliche Gefahr für Donald war daher bis zu dem Zeitpunkt gar nicht vorhanden. Die längste Zeit geht die Gefahr nur von Donalds Fantasie, der erst steif zu werden und dann zu schrumpfen glaubt, aus. Angst, nicht Gefahr, ist übergreifendes Thema dieses Comics und handlungsleitendes Motiv.[1]

Macht[Bearbeiten]

Auf dem Ölgemälde von 1972 ist Bombie ohne Augen zu sehen, wioe es Barks auch für die Geschichte geplant hatte

Wie in vielen Comics thematisiert Barks auch hier Machtverhältnisse, die mit Unterdrückung, aber auch mit Stereotypen und Intoleranz einhergehen (siehe oben). Dagobert und Fuda erscheinen laut Geoffrey Blum als die „Macher“ der Geschichte, die den aktiven Part einnehmen und die Handlung beeinflussen, während Donald passives Opfer ihrer Ränke ist. Erst am Ende, als Donald Bombie benutzt, um den afrikanischen Stamm niederzuwalzen, emanzipiert er sich.[1]

Bedeutung[Bearbeiten]

Dagobert erscheint hier als gewissenloser „Räuberbaron“[3], der die Zudas aus Profitgier von ihrem Land vertreibt. Diese Charakterisierung verweist bereits auf den italienischen Dagobert und ist eher untypisch für spätere Barks-Geschichten. Die Figur des Dagobert Duck war zu diesem Zeitpunkt noch keine zwei Jahre alt, und Barks hatte ihr noch nicht den Charakter des hart arbeitenden Abenteurers gegeben. Don Rosa übelegte daher erst, ob er diese eher unpassende Geschichte für seine Dagobert-Biografie nicht einfach ignorieren sollte. Aus ähnlichen Gründen hatte er die Barks-Geschichte Die magische Sanduhr außen vor gelassen, da es nicht ins Bild passte, dass Dagobert durch Zauberei reich wurde, statt durch harte Arbeit. Rosa entsann sich schließlich aber anders und machte aus dieser Episode in Der gewissenlose Geschäftsmann aus Entenhausen die einzige wirklich böse Tat in Dagoberts Leben – und er ließ ihn dafür einen hohen Preis bezahlen.[4]

Zensur[Bearbeiten]

Zensur am Zombie (© Egmont Ehapa)

Bereits bei der Erstveröffentlichung griff die Western-Redaktion in die Geschichte ein. Die leeren Augenhöhlen von Bombie ängstigten der Meinung der Redakteure zufolge die Leserschaft, deswegen wurden sie ausgefüllt. Der Musiker Bobby auf der ersten Seite beschrieb Zombies ursprünglich als „dead“, die Redaktion änderte das in „wouldn't stay done for“ (also „jemand, der keine Ruhe geben würde“).[5] Während 1949 die Redaktion die Horrorelemente an der Story störten, geriet sie bei der Wiederveröffentlichung in den 1990ern wegen stereotyper Darstellung von Schwarzen in die Kritik. Bombies merkantes Profil mit großer Nase und vollen Lippen wurde deshalb umgezeichnet. Die Version wurde auch in der Barks Library abgedruckt.

Trivia[Bearbeiten]

Für die Sequenz, in der Bombie die Fragen des Moderators richtig beantwortet, griff Barks auf den Plot seiner Geschichte Geld oder Ware zurück; für mehr Informationen siehe dort.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Geoffrey Blum: Machtspiele im Wudu-Land. In: Barks Library Special Donald Duck 10, S. 38.
  2. 2,0 2,1 Thomas Andrae (2006): Carl Barks and the Disney Comic Book (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 141f.
  3. Don Rosa: 1902–1930 – Dagobert der Magnat. In: Onkel Dagobert. Sein Leben, seine Milliarden (2003), S. 218–220
  4. Don Rosa: Killing me softly. In: Don Rosa Collection 4.
  5. Thomas Andrae (2006): Carl Barks and the Disney Comic Book (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 139f.