Der Fledermausbandit von Inferno Gulch

Aus Duckipedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Der Fledermausbandit von Inferno Gulch
Micky und Minni im wilden Westen
The Bat Bandit of Inferno Gulch
Erstveröffentlichung: 30.04.1934–28.07.1934
Entstehungsdatum: 1934
Storycode: YM 022
Story: Floyd Gottfredson, Ted Osborne
Zeichnungen: Floyd Gottfredson
Tusche:

Ted Thwaites

Seiten: 78 Tagesstrips, 26 Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Gerd Syllwasschy in der FGL
Deutsche Erstveröffentlichung: Mickys Klassiker 6
Weiterführendes
Liste der Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson

link= YM 022 Infos zu Der Fledermausbandit von Inferno Gulch

beim Inducks
Gefangen auf hoher See

Der Fledermausbandit von Inferno Gulch (engl. The Bat Bandit of Inferno Gulch, auf Deutsch auch Micky und Minni im wilden Westen) ist eine von Floyd Gottfredson und Ted Osborne getextete und ersterem gezeichnete sowie von Ted Thwaites getuschte Comicgeschichte aus dem Jahr 1934. Micky Maus unternimmt gemeinsam mit seiner Verlobten Minnie Maus einen Ausflug zu Onkel Mortimers Ranch. Dort trifft er auf den Fledermausbanditen, der schon seit längerer Zeit sein Unwesen treibt.

Ein geheimer Tunnel... (© Egmont Ehapa)

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Micky eilt voller Freude zu seiner Verlobten Minnie. Der Grund: Er hat die Idee, zusammen mit ihr Ferien im Wilden Westen auf Onkel Mortimers Ranch zu machen. Die Überraschung ist groß, denn Minnie hatte genau die selbe Idee und wollte gerade losgehen. Micky poliert seinen Revolver und die beiden fiebern dem Start des Urlaubs entgegen. Klarabella und Rudi helfen beim Packen und verabschieden ihre Nachbarn am Bahnhof. In der Westernstadt Inferno Gulch werden Micky und Minnie bereits von Onkel Mortimer, Minnies Verwandtem, erwartet. Er nimmt die beiden mit zur Ranch und zeigt ihnen alles. Darunter sind nicht nur die Angestellten, sondern auch die Bediensteten und Don Jollio, ein Nachbarrancher mit einer beeindruckend großen Rinderherde. Auch gibt es ein Wiedersehen mit Dampfschiff, Mickys Pferd, das er beim letzten Mal hatte.[1] Doch es werden nicht nur schöne Dinge übermittelt: Onkel Mortimer sagt, in der Gegend treibt sich ein gemeiner Bandit im Fledermauskostüm herum, der es nicht gut meint mit seinen Mitmenschen. Aber ein Gegner kann Micky nach so vielen Abenteuern nicht mehr beeindrucken, sondern nur noch herausfordern. Später am Abend unternehmen die drei noch einen kleinen Ausritt in der kargen Landschaft und unter klarem Himmel. Doch als sie um eine Kurve biegen, geht es früher als erwartet los mit dem Abenteuer: Der Fledermausbandit überfällt gerade einen Goldschürfer!

Er bedroht auch Micky, Minnie sowie Onkel Mortimer, ist aber in Eile. Also bläst er sie, obwohl er es eigentlich gerne täte, nicht weg, sondern macht sich schnell wieder mit Beute und abgenommen Waffen davon. Doch Micky hat gelernt. Er weiß, dass es am besten ist, den noch frischen Spuren des Diebes auf sicherem Abstand zu folgen. Das hat wohl nur noch niemand gemacht, weil sich der Fledermausdieb in Inferno Gulch einen abschreckenden Ruf erarbeitet hat. Micky reitet den Spuren bis zu Don Jollios Ranch hinterher. Er könnte schwören, den Dieb dort verschwinden gesehen zu haben. Weil er sein Pferd in der Scheune abgestellt haben oder sich dort verstecken könnte, beschließt Micky, diese einmal genauer zu untersuchen. Und siehe da: Unter dem Stroh tauchen plötzlich die Goldsäcke vom Überfall auf! Don Jollio ist sehr glücklich, dass Micky so mutig war und in der Scheune nachgesehen hat. Der Bandit war wahrscheinlich so sehr in Eile, dass er das Geld hier deponieren und es später, wenn die Luft rein ist, wieder abholen wollte. Doch diesen Plan konnte Micky nun vereiteln. Aber das ist nicht alles, denn schon am nächsten Morgen bekommt Micky die Antwort serviert: Er soll innerhalb von fünf Tagen die Stadt verlassen, sonst...

Der Fledermausbandit meint es ernst! (© Egmont Ehapa)

könnte es um ihn geschehen sein! Die Drohung ist ernst zu nehmen, aber Micky will nicht gehen und wartet die Tage ab. Auch wenn der Fledermausbandit nicht davor zurückschreckt, sogar an den Rücken des Sheriffs Warnungen zu kleben, während dieser mit Micky, Minnie und Mortimer redet, bleibt Micky standhaft. Auch am zweitletzten Tag reitet Micky wieder mit Minnie in der Umgebung herum, wenngleich letztere findet, dass das ziemlich riskant ist. Das Paar trifft auf Don Jollio, der ebenfalls gerade einen Ausritt macht. Und auf einmal wird auf die drei geschossen! Noch in der Ferne sieht man den Flügelbanditen mit seinem Pferd verschwinden. Die Schüsse haben ihr Ziel verfehlt. Micky und die anderen reiten zurück nach Hause, aber Minnies Hut fliegt im Wind weg in eine Schlucht. In die führt ein Weg hinab und Micky ist so tapfer und will ihn absteigen. Aber Don Jollios Pferd dreht durch. Für die beiden oben wartenden startet eine Rettungsaktion, denn ein hinuntergestürzter Felsbrocken hat den Weg zurück gekappt. Micky kann nur knapp wieder nach oben gezogen werden. Don Jollio verabschiedet sich von den beiden und kehrt heim.

Der nächste Morgen: Heute ist der letzte Tag für Micky, an dem ein Verschwinden aus der Stadt möglich ist. Don Jollio kommt zu Onkel Mortimers Ranch und möchte Micky mitnehmen, um Geld von der Post abzuholen. Und da passiert es: Der Fledermausbandit überfällt Don Jollio und verlangt von Micky, mit ihm zu reiten – andererseits droht das Blei. Für die in der Stadt verbliebenen sieht es so aus, als würde Micky mit dem Banditen unter einer Decke stecken, da er gemeinsam und ruhig mit ihm weggaloppiert. Abseits der Szenerie halten die beiden an und der Fledermausbandit tut seine Identität kund: Es ist Don Jollio! Schnell zieht er sich wieder seine normalen Klamotten an und lässt Micky allein zurück. Doch warum? Aus Hinterlist, denn möchte Micky jetzt den Sheriff alarmieren, wird er für den Dieb gehalten – eine fiese und tückische Falle hat zugeschnappt! So befindet sich Micky erst einmal auf der Flucht. Und weil er es jetzt kann, mischt auch Don Jollio bei der Jagd auf den angeblichen Dieb mit.

Das Abenteuer ist vorüber. (© Egmont Ehapa)

Micky muss mit Entsetzen feststellen, dass auf ihn eine Belohnung ausgesetzt ist und sein Name auf einem Plakat mit dem Fledermausbanditen steht. Nachts kehrt Micky zu Onkel Mortimers Ranch zurück. Er hat einen Plan, will Minnie aber ausrichten, dass er in Sicherheit ist und es ihm gut geht. So lässt er durch Schüsse die Rinder wild werden, damit alle Cowboys abgelenkt sind. Jetzt kann er auch Don Jollios Scheune untersuchen. Micky stößt auf einen ungewöhnlichen Luftstoß, der aus dem Boden kommt. Und unter dem Stroh findet er eine wahre Verborgenheit: Einen Geheimgang, der direkt in Jollios Wohnzimmer mündet. Er kann mithören, wie der eigentliche Dieb für morgen einen weiteren Banküberfall plant. Also will Micky dem Fledermausbanditen zuvorkommen. Nach dem Treffen in der Bank liefern sich Micky und Don Jollio, der sein Kostüm wegwirft, ein heißes Rennen und danach einen harten Zweikampf. Doch nach vielen Wendungen und Windungen kann Micky ihn für sich entscheiden und den Banditen dem Sheriff vorführen. Das Abenteuer und auch der Urlaub sind vorbei. Nach einem köstlichen Abschiedsessen geht es für Minnie und Micky wieder zum Bahnhof und von dort aus zurück nach Hause, wo sie schon von Klarabella, Rudi und Pluto erwartet werden. Aber anstatt erst die beiden Nachbarn zu begrüßen, widmet Micky sich erst einmal Pluto und umarmt ihn kräftig!

Hintergrund[Bearbeiten]

Dampfschiff, der uns allen wohlbekannt ist... Ääääh, wie bitte? (© Egmont Ehapa)

Diskontinuität[Bearbeiten]

Dampfschiff? Onkel Mortimers Ranch? Badlands? Welches Abenteuer haben die treuen Leser der Comicstrips denn hier verpasst? Diskontinuität ist in ein den Comicstrips von Floyd Gottfredson fast nie aufkommendes Thema. Wenn, dann geht es meistens um Kontinuität: Micky Maus begegnet einem bereits bekannten Schurken wie Kater Karlo wieder oder unternimmt mit seinen Freunden, seien es Rudi Ross, Klarabella Kuh, Pluto oder seine Verlobte Minnie Maus, ein erneutes Abenteuer. Alle Figuren sind den Lesern bekannt und sie kennen ihre Eigenschaften, da die Daily-Strips logisch aufeinander aufbauen – ähnlich wie der seit 1932 laufende Sonntagsstrip (der in Farbe und größerem Umfang erschien). Warum also scheint es hier unbekannte Parallelen zu geben? Der Fledermausbandit von Inferno Gulch ist im Wesentlichen die Fortsetzung eines Micky-Maus-Sonntagsstrips (ZM 003; Titel: The Lair of Wolf Barker). Einige Zeitungen, die die Strips damals veröffentlichten, druckten aber nur bestimmte ebendieser ab. Entweder die wöchentlichen Sonntagsstrips oder die täglichen Daily-Strips. Weil man die Leser ja schlecht im Dunkeln tappen lassen konnte, gab es so gut wie keine Schnittstellen zwischen den zwei Comic-Medien.[2]

Doch bei Der Fledermausbandit von Inferno Gulch hat man genau das getan: Gerade Onkel Mortimer, der im Daily-Strip zuletzt in Micky Maus im Tal des Todes als exzentrischer steinreicher Onkel aufgetaucht war, ist in den Sonntagsseiten eine deutliche Wandlung durchlaufen: Vorher besaß er eine Käsefabrik, eine Villa und eine Goldmine, jetzt hatte er plötzlich eine Ranch. Er ist von einem dünnen, abgemagerten und schüchternen Geschäftemacher, der sich auch gerne mal auf Auslandsreisen befindet, wenn Micky seine Hilfe brauchen könnte, zu einem Rundlicheren und Gemütlichen seiner selbst geworden, der jetzt auch keinen Schnurrbart mehr wie 1930 bei seinem Erstauftritt hatte. Auch Mickys Pferd Dampfschiff (im englischen Original Steamboat) ist für die Daily-Strip-Leser völlig neu.[2]

Inspirationsquellen[Bearbeiten]

Die Flügel der Fledermaus sind eindeutig aus einem anderen Werk entnommen. (© Egmont Ehapa)

Cartoons und Film:[Bearbeiten]

Langsame Distanzierung zu den Cartoons und Einarbeitung von Sequenzen aus „The Bat Whispers

In den Cartoons war Kater Karlo nach wie vor Mickys Erzfeind Nummer 1, aber in den Comicstrips begann Gottfredson allmählich, seine eigenen Gegenspieler zu entwickeln. Der erste dieser neuen Bösewichte war der schwarz gekleidete Outlaw, der von allen nur der „Fledermausbandit“ genannt wird. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen Ganoven im Kostüm mit Flügeln. Gerade durch dieses hat er einen gewaltigen Vorteil, denn seine wahre Identität ist verschleiert. Dadurch kann er blitzschnell auftauchen und dann wieder unter anderen Leuten verschwinden.[3]

Die Geschichte ist vom Cartoon Two-Gun Mickey (1934) inspiriert. Gottfredson borgte sich daraus die Kostümierung für Micky und Minnie sowie den Kleinganoven Red, dessen Aussehen von Karlos Gangmitgliedern im Trickfilm stammte. Don Jollio spricht mit einem spanischen Akzent, ebenso wie Karlo im Cartoon. Mickys Kampf mit dem Fledermausbanditen auf einer hohen Mesa ist beinahe eine Kopie der Szene, in der Micky und Karlo sich auf einer Klippe raufen. Allerdings geht Der Fledermausbandit von Inferno Gulch weit über Two-Gun Mickey hinaus, da sich der Comic wie ein Mysteryfilm der 1930er Jahre darstellt. Tatsächlich hat Gottfredson den Fledermäuserich direkt aus einem solchen Film entlehnt. Im frühen Tonfilm The Bat Whispers von 1930 gibt es einen schwarz gekleideten Bösewicht namens „The Bat“. Nicht nur Gottfredson, sondern auch Bob Kane, der 1939 den bekannten Superhelden Batman schuf, berufen sich auf diesen Film als Inspiration für ihre Fledermausmänner.[3]

Wie auch die Fledermaus im Film hinterlässt Gottfredsons Charakter kleine Warnhinweise an den unmöglichsten Orten, ohne dass jemals jemand gesehen hätte, wie sie dort hingelangt sind. In The Bat Whispers ist Detective Anderson, der den Räuber zur Strecke bringen will, in Wahrheit die Fledermaus; in Gottfredsons Geschichte ist Don Jollio – Vorsitzender des Viehzüchterverbands – in Wahrheit der Fledermausbandit. Selbst Don Jollios Versteck unter dem Stroh stammt direkt aus dem Film, nur dass die Fledermaus dort die Farm ausrauben will anstatt sich dort zu verstecken. Der Fledermausbandit von Inferno Gulch ist jedoch keine schlichte Kopie von The Bat Whispers. Don Jollios Charakter ist in großem Maße von Pancho Villa inspiriert, über den Gottfredson viel gelesen hatte. Villa (1878–1923), der wie Don Jollio einen stämmigen Körperbau und einen auffälligen Schnauzbart hatte, war einer der prominentesten Generäle während der mexikanischen Revolution, der zu Beginn von den Vereinigten Staaten unterstützt und bewundert wurde. Seine Anhänger sahen in Villa einen Hüter der Gerechtigkeit, der reiche Hacienda-Besitzer ausraubte und die armen Bauern beschützte. Doch als Präsident Woodrow Wilson den Erzfeind von Villa, den mexikanischen Präsidenten Venustiano Carranza, unterstützte, startete der betrogene Villa einen tödlichen Rachefeldzug in Columbus, New Mexiko, der jedoch in einem Fiasko endete und bei dem über hundert von Villas eigenen Männern, aber „nur“ zehn US-Amerikaner ums Leben kamen. Über Nacht wurde Villa dadurch zum Staatsfeind Nummer 1, der auf beiden Seiten der Grenze akribisch gesucht wurde. Viva Villa, ein Film, in dem Wallace Beery den Titelhelden spielte, erschien kurz vor Gottfredsons Comicabenteuer und war sicherlich auch eine wichtige Inspirationsquelle.[3]

Die Rancher sind aufgeregt... (© Egmont Ehapa)
...aber die umherwandelnde Fledermaus kann trotzdem gestoppt werden! (© Egmont Ehapa)

Es gab allerdings noch weitere Einflüsse. In Stummfilmzeiten gab es das Stereotyp des Latino-„Bandido“, der als unangenehmes Raubein dargestellt wurde. Dieses Bild änderte sich in den 1930ern, insbesondere mit der Serie Cisco Kid, in der Warner Baxter einen Banditen spielte, der eine Art romantisch verklärter Latino-Robin-Hood war. Wie Baxter spricht auch Jollio eigentlich Englisch und imitiert den mexikanischen Akzent lediglich zur Tarnung. Das war in sofern ein Glücksfall für Gottfredson, weil dieser gern mit Akzenten und Dialekten spielte und dies auch bei Don Jollio zur Schau stellen konnte.[3]

Private Ereignisse Gottfredsons[Bearbeiten]

Mexikanische Outlaws interessierten Gottfredson auch auf einer persönlichen Ebene. Sein Onkel Art Acord, der Champion-Rodeoreiter und ein Westernstar war, starb 1931 unter mysteriösen Umständen in Mexiko. Die mexikanischen Behörden waren der Ansicht, dass Acord Selbstmord begangen hatte; aber Acords Freunde glaubten, er sei von Betrügern ermordet worden und dass es um eine örtliche Silbermine ging. Floyd Gottfredson war fasziniert von dem Thema und flocht einige Details aus Acords Leben in seine Geschichte ein: Als Micky ein Wildpferd namens „Dampfschiff“ (im Original Steamboat) reitet, ist das nicht etwa eine Anspielung auf seinen ersten erfolgreichen Film Steamboat Willie, sondern auf Old Steamboat, ein legendäres Rennpferd aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, auf dem sich Acord beim Rodeo als einer der Ersten bis zum Zeitlimit halten konnte.[3]

Die Schlussszene sticht durch Funny-Animal-Anstöße heraus. (© Egmont Ehapa)

Das Funny-Animal-Genre[Bearbeiten]

Gottfredson hat in dieser Geschichte nicht nur einen bemerkenswerten neuen Gegner erfunden, sondern auch den Typus der „Funny-Animal“-Abenteuergeschichte gefestigt. Disney-Zeichner Carl Barks sollte dieses Genre einmal wie folgt beschreiben:

„Es geht um anthropomorphe [Tier]-Charaktere in realistischen Gefahrensituationen, [die] ihre Probleme auf amüsante Weise lösen.“
Carl Barks

– Eine perfekte Beschreibung des finalen Kampfs zwischen Micky und Don Jollio, der zu Beginn realistisch und wirklich bedrohlich wirkt, sich am Ende aber in Gags verläuft. Gags kommen aus den Cartoons und sind deshalb so amüsant, weil klar ist, dass übertriebene Situationen (wie etwa das Verwenden eines Hundeschwanzes zum Antreiben eines Flugzeugs in YM 001 (Micky auf der geheimnisvollen Insel) im wahren Leben niemals passieren könnten. Doch im Gegensatz zu einem Cartoon, der auf den schnellen Gag aus ist, darf ein realistisch anmutender Abenteuercomic die spannende Atmosphäre nicht kaputt machen, und so müssen die Charaktere auch auf solch unwirklich erscheinende Situationen glaubwürdig reagieren. Mickys zunehmend wagemutigere Persönlichkeit war perfekt für diesen Spagat geeignet.[3]

Dialekte und Klischees[Bearbeiten]

Floyd Gottfredson, der gerne mit Dialekten und Akzenten der Figuren experimentierte, konnte sich bei Der Fledermausbandit von Inferno Gulch geradezu austoben. So verpasste er Don Jollio etwa einen typisch spanischen Akzent, der den Eindruck, dass der Nachbarrancher geheimnisvoll und fremd war, ungemein unterstützte. Auch einen chinesischen Koch ließ Gottfredson typisch asiatisch reden. Sein Originalname „Mr. Chinky“ (was auf Deutsch „Schlitz“ heißt, in Anspielung auf „Schlitzauge“) bedient aus heutiger Sicht ein besonders negatives Klischee. Dieser beiläufige Rassismus schlich sich 1934 selbst in das Werk wohlwollender und politisch unverdächtiger Cartoonisten ein.[2] In der Floyd Gottfredson Library wurde bei der Übertragung der Dialekte und Akzente, auch teils nicht mehr üblichen Slangs, Abstand genommen.[4]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Das Aquarell trägt den Titel „Micky Maus und der Fledermausbandit“. (© Disney)

Aquarell[Bearbeiten]

Im Oktober 1982 malte Floyd Gottfredson das links zu sehende und zu dieser Geschichte passende Aquarell.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe den entsprechenden Abschnitt unter „Hintergrund“.
  2. 2,0 2,1 2,2 David Gerstein: Was bisher geschah... Floyd Gottfredson Library 3, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 52
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Thomas Andrae: Von Mäusen und Menschen. Floyd Gottfredson Library 3, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 9–11
  4. David Gerstein und Gary Groth: Fer Gosh Sakes! Floyd Gottfredson Library 3, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 14.